Ich kann es mir nicht verkneifen meine Meinung zum Bloggergate Skandal in Worte zu fassen, denn irgendetwas muss ich fassen, weil ich es sonst nicht fassen kann, was da gerade passiert. Sascha Pallenberg, großer Blog Monetarisierer und Techblogger, hat vor ein paar Tagen einen Skandal angekündigt, der seinesgleichen suchen sollte. Vom Tsunami in der Blogosphäre war die Rede. Jetzt ist es passiert. Sascha hat den Tsunami losgelassen: “Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam.” Ein Skandal, ich war schockiert als ich das gelesen habe. Wie kann man so einen Zirkus im Vorfeld veranstalten und dann so etwas Halbgares abliefern.

Aus Google-Sicht ist doch vor allem interessant, wo die bösen Links liegen. Denn diese schädigen doch die Google-Rankings. Und so lange die “schuldigen” Blogger und die dazugehörigen Links weiter brav im Web rummachen dürfen, ist doch nichts passiert. Bei Trigami wurde damals den mitwirkenden Bloggern der PageRank gekürzt, das hat für Unbehagen und Unruhe gesorgt. Letztendlich hat es das Geschäftsmodell Linkverkauf/Miete aber nicht wirklich getroffen. Die Umsätze im Link-Business sind seit damals bestimmt nicht gesunken 😉

@mattcutts, Matt Cutts

@sascha_p Would you mind if someone on the webspam team reached out to talk more about this? Okay to DM me your email address?

So, und da haben wir den Schlamassel, jetzt greift auch noch Matt Cutts ins Geschehen ein. Dessen Interesse müsste es sein, die Namen der Blogger bzw der schleichwerbenden Domains und Linkziele zu erfahren, um mal etwas tabula rasa bei den Verlinkungen zu machen. Vielleicht noch ein wenig PR abziehen, aber was dann? Dann geht das Spiel doch an anderer Stelle weiter und Matt und sein Spamteam dürfen wieder im Dunkeln hinterher tappen. Den Schaden bei der Onlinekosten GmbH sehe ich hingegen nicht. Ganz im Gegenteil, dank Saschas toller Werbung weiss jetzt auch der letzte potentiell käufliche Blogger, an wen er sich wenden muss, um ein paar schnelle und einfache Euros zu verdienen. Und so schlecht fand ich die Bezahlung jetzt auch nicht. Dieses Gerede von Ausbeutung kommt einfach zu reisserisch daher.

Schaut man sich diese Bloggergate Affäre jetzt an, fragt man sich: Was ist passiert? Und warum nicht? Wollte man die Geschichte wirklich rückhaltlos aufklären, dann müsste man ähnlich wie WikiLeaks die Karten auf den Tisch legen. Alle, also auch die gekauften Blogger ans Messer liefern. Nur wie mit denen verfahren? Soll Matt Cutts die etwa einzeln abschlachten? Wollen wir das? Will Sascha das? Hilft das Matt Cutts weiter? Wenn ich mir ansehe mit welch üblem Blogspam derzeit die Google Rankings verbogen werden, dann muss ich sagen, sind diese hier an den Pranger gestellten Artikel und “Qualitätslinks” ein wirklich erfrischendes Gegengewicht dazu.

Wie man es auch dreht und wendet. Es wird keinen Tsunami geben. Eigentlich gibt es nur Verlierer. Außer ein paar Backlinks für Sascha hat hier keiner etwas gewonnen. Seiner Reputation könnte diese Affäre sogar geschadet haben. Immerhin wurde sein Informant versehentlich geoutet und die 100 schwitzenden Blogger haben vielleicht auch schon das Messer gezückt um sich bei ihm zu bedanken, falls Matt Cutts das gekaufte Linknetz aus dem Index herausfräst. Vom Ausbleiben des vollmundig versprochenen Tsunamis mal ganz zu schweigen.

Nachtrag: Fast vergessen, ich habe vor einiger Zeit SeoLeaks.org ins Web gestellt, falls also einer von euch ein paar skandalöse Dokumente entsorgen möchte, ihr wisst jetzt wo. Vielleicht lösen wir damit ja einen richtigen Tornado in Seo-Kreisen aus 😉

Große Freude allerorten. Ein PageRank-Aufschrei hallt durchs weite Land. Lange hat sich Google Zeit gelassen, immerhin 292 Tage hat es gedauert, bis mal wieder der grüne Balken in der Toolbar aufgefrischt wurde. Am 20. Januar 2011 wars dann mal wieder so weit.

Google PageRank Update

Nach anfänglicher Skepsis hat sich dann doch so langsam aber sicher die Meinung durchgesetzt, dass es sich um ein “richtiges” PageRank Update handelt. Doch ganz ungetrübt ist die Freude nicht, Seo-Diver Uwe hat festgestellt, dass mit dem Update etwas nicht stimmt.

… dann wird der ein oder andere von euch bemerken, dass nur URLs die vor dem 11 Juni 2010 existierten und entsprechend verlinkt wurden auch ein wenig grüne Farbe abbekommen haben.

Auch Johannes ist skeptisch und fragt sich, ob es sich überhaupt um ein “reguläres” PageRank Update handelt. Anscheinend hat Google uralte Daten ausgespielt. Insgesamt herrscht Übereinstimmung darüber, dass die derzeit angezeigten PageRank Werte über ein halbes Jahr alt sind. Interessant ist auf jeden Fall auch Uwes Vermutung, Google Caffeine könne die Ursache für die ins Stocken geratene PageRank Ausgabe sein.

Bei jedem größeren PageRank Update gab es auch immer Verschiebungen an der Spitze der Skala, d.h. bei den PR 10 Seiten. Neuzugänge sind hier AddThis, Joomla, Recovery.gov und Gov.cn, die PR Königsklasse verlassen mussten hingegen zwei w3.org Domains. Derlei Verschiebungen sprechen auf jeden Fall für ein reguläres Update.

Wenn ich eines liebe, dann diese Wortspiele 🙂 Diesmal habe ich es geschafft, Robert Basic und Google in einer Titelstory unterzubringen. Mit dem Titel meine ich das Title-Tag, mit dem Vorreiter meine ich eine neue Titel Spielerei von Google. Darüber gestolpert bin ich, als ich in Google nach Robert Basic gesucht hatte, um zu kontrollieren, ob Basic Thinking seiner eigenen Homepage in den Google Serps immer noch den Rang abläuft. Zeit genug ist ja schon vergangen seit dem Blogverkauf.

Ich muss euch auch gleich noch erzählen, warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, nach Robert Basic zu suchen. Ich hatte kurz vorher überlegt, ich könne vielleicht einen kleinen Artikel über Mister Wongs neues Outfit schreiben und war dabei auf den Mister Wong reloaded Artikel auf Basic Thinking gestoßen. Ach, interessant dachte ich, hat der Robert dazu auch schon seinen Senf abgegeben. Und fing an zu lesen. Der Artikel hatte auch die passende basicsche Länge und den robertoresken Schreibstil, also realisierte ich anfänglich gar nicht, dass ich den Worten von Marek Hoffmann und nicht denen von Robert Basic folgte. Wie peinlich 😉

Nun kann ich mir aber auch vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, dem es schon mal so ergangen ist. Sei es, weil man in geistiger Umnachtung auf Basic Thinking aufgeschlagen ist und die Basicsche Prägung im Gehirn immer noch nicht ganz verflogen ist, oder aber, weil man nach Robert gegooglet hat und an erster Stelle sein altes Weblog vorfand. Und dann insgeheim Robert mit dieser Seite assoziiert. Denn das tut selbst Meister Google.

Ein Blick auf Googles Serps zeigt Erstaunliches. An erster Stelle, noch vor dem eigentlichen und originären Titel der Seite, steht der Name Robert. Robert macht dort gewissermaßen den Vorreiter. Oder wenn man so will, das Aushängeschild. Das Kuriose daran, der Name Robert ist nirgends auf der Basic Thinking Homepage zu finden. Erst recht nicht im Title Tag. Der Name existiert nur in Links die auf die Seite verweisen, wie es so schön heisst im Google Cache. Wir hätten hier also eine klassische Google Bombe.

Ist doch amüsant, Google will mal wieder schlauer sein als die Seitenbetreiber. Und jagt den armen Suchenden damit ins Boxhorn. Eine Teilschuld möchte ich an dieser Stelle aber auch Meister Robert selber geben, der Seitentitel seiner neuen Homepage “written in basic” ist m. E. ziemlich suboptimal. Da gehört der Vorname mit rein in den Titel. Vielleicht können wir ja Robert mit passenden und kreativen Titel-Vorschlägen davon überzeugen, dass er seinen alten Titel überarbeitet. Damit er der echte, einzige und eigentliche Vorreiter im Google Index für seinen Vornamen Robert wird. Also, her mit den Vorschlägen.

Man kann über Google sagen was man will, für eine Überraschung ist das Unternehmen immer gut. Zwar rennen mir tagtäglich Googles Robots über den Weg, bislang aber nur im Internet. Dort durchstreifen sie das World Wide Web, navigieren von Seite zu Seite und von Domain zu Domain und sammeln brav Daten für den Bau eines riesigen Suchmaschinenindex. Das machen sie von alleine, die Steuerung übernimmt eine Software. Doch jetzt kann man lesen, dass Roboter schon seit einem Jahr über Kaliforniens Straßen steuern und ein menschlicher Beifahrer nur noch den Geleitschutz mimt. Das klingt schwer nach Science Fiction, manch einer hielt die Geschichte für ein Gerücht oder einen PR-Gag von Google, doch nachdem es sogar offiziell auf Googles Blog einen Artikel über Googles Fahrkünste gibt und Medien und Blogger auf Googles Robocar aufgesprungen sind, scheint klar, Google hat mal wieder ein neues Forschungsgebiet gefunden und sich gleich an die Spitze gesetzt. Respekt.

Schon die Härte wie Google mit seinem Robocar Vollgas gibt. Holen einfach die Creme de la Creme der Automobil Robotiker von der Straße weg und sorgen für eine irre Beschleunigung in der AutoRobotik. Mit Christopher Urmson von der Carnegie Mellon University, der mit dem Tartan Racing Team die Urban Challenge 2007 gewann und dem Zweitplatzierten Sebastian Thrun, der mit dem Stanford Racing Team die DARPA Grand Challenge 2005 gewinnen konnte, hat sich Google die absoluten Robocar Experten ins Team geholt. Sebastian Thrun ist Professor für künstliche Intelligenz an der Stanford University und Autor von Googles oben erwähnten Blogartikel. Ursprünglich stammt Thrun aus Deutschland.

Die mit Laser, Radar, GPS, Videokamera und Bewegungssensoren ausgestatteten Google Fahrzeuge haben mittlerweile schon rund 225.000 km Fahrtstrecke hinter sich gebracht, automatisch gesteuert von einem schlauen Robot und begleitet von einem Menschen, der in Notfällen ins System eingreifen konnte. Dabei sollen teilweise auch recht anspruchsvolle Strecken abgefahren worden sein. Das ist eine reife Leistung. Wohlmöglich werden in nicht allzu ferner Zukunft computergestützte Fahrzeuge ihren Weg alleine durch unsere Straßen finden. Oder uns so gut assistieren, dass wir nur noch sagen wo es langgehen soll und wir kaum noch einen Handschlag selber machen müssen. Das mag die Anzahl der Verkehrsunfälle und Toten drastisch reduzieren helfen, das kann den Kraftstoffverbrauch senken und macht irgendwann die Taxifahrer arbeitslos. Und eröffnet Google in ferner Zukunft vielleicht sogar die Möglichkeit den Verkehr in Echtzeit zu überwachen und zu regeln, den Googlern eine Art Echtzeit Street-View anzubieten und dem Militär nicht nur bei der Logistik sondern auch im Kampfeinsatz unter die Arme zu greifen. Da können wir in Zukunft noch einiges erleben. Ob wir wollen oder nicht 😉

Nachdem im vorherigen Artikel Google Instant auf das reduziert wurde, was es darstellt, jetzt mal ein paar Anmerkungen von mir zur ganzen Instant Hysterie. Von Beschleunigung ist die Rede, die Revolution der Suche wird verkündet, über eine Verdummung oder Verschlaubesserung wird nachgedacht, sogar das Ende von Seo wird für möglich gehalten und zur Abstimmung gestellt.

Antwort eines instantgeschädigten Googlers auf die Frage wonach er suchen würde:

“Woher soll ich wissen was ich suche,
bevor ich lese was ich tippe”

Selten habe ich so ein vielfältiges Spektrum an Feststellungen und Meinungen gesehen zu einer Sache, die noch nicht mal richtig gestartet ist. Faszinierend sind auch die vielen Prognosen bzgl. der Auswirkungen auf Suchverhalten und Seo. Die einen mutmaßen, der Longtail würde durch den Einsatz von Google Instant geschwächt, die anderen erwarten das genaue Gegenteil. Die einen sprechen von Zeit- und Qualitätsgewinn und schnellerem Suchen, andere befürchten Verluste aufgrund der Kanalisierung und der höheren Ablenkung. Doch wer hat recht?

Irgendwo hat jeder recht. Was aber noch wichtiger ist. Am meisten hat Google recht. Denn Google sitzt am längeren Hebel. Wenn Google es gefällt, dann wird der Longtail beschnitten oder gepusht, immerhin befüllt die Suchmaschine die Autocomplete-Box nach ihrem Gutdünken. Und kann dadurch auch gewaltig Einfluss nehmen auf die Besucherströme. Bis hin zu einer Art Vorzensur. Und natürlich kann Google uns jetzt noch viel genauer auf die Finger schauen. Jeder Tastendruck wird an Google gemeldet, selbst meine Vertipper bekommt die Suchmaschine jetzt in Echtzeit übermittelt. Wir sitzen in einem riesigen Labor der Kognitionswissenschaften und Abermillionen Probanden machen mit. Ein Forschertraum(a).

Last but not least eine Anmerkung zum Namen. Google Instant Search erinnert mich irgendwie an Instant Kaffee. Leider verbinde ich mit Instant Kaffee, Tee oder Suppe keine hochqualitativen Genüsse. Zwar verstehe ich die Absicht, Google möchte mit der Namensgebung das instantane an der Suche, d.h. das sofortige Anzeigen der Suchresultate, betonen, doch leider hat dieser heiße Instant Aufguss für mich eher etwas Abtörnendes. Ich assoziiere mit dem Begriff Instant eher so etwas wie “schnell und billig”. Denkt also immer dran, wenn ihr in Zukunft instant googelt: “Es ist angerührt” 😉

Tag täglich schau ich auf das Title Tag und bewundere Googles Technik der Keywort-Visualisierung. Natürlich ist mir dabei aufgefallen, dass Google nicht nur Keywörter sondern auch mal gerne Synonyme fett hervorhebt. Auch sieht man das Keywort des öfteren mehrmals hervorgehoben. Sowohl im Title, als auch im darunterliegenden Snippet. Die genaue Logik dahinter habe ich aber bislang noch nicht hinterfragt. Im Gegensatz zur Anzahl der angezeigten Keywords, dieser hatte ich vor geraumer Zeit mal eine kleine Title Story gewidmet. Resultat dieser Geschichte, Google zeigt maximal 70 Zeichen des Titles in seinen Suchergebnissen an.

Vor ein paar Tagen habe ich meine alte Tischtennis Domain wieder ausgegraben und einer Renovierung unterzogen. Wie sich das gehört, habe ich anschließend auch einen Blick auf die Google Listungen der Domain geworfen. Und mich gewundert ob der etwas eigenwilligen dahinterliegenden Darstellungstechnik.

Obwohl ich nach Tischtennis Harsewinkel gesucht habe, wird nur TT Harsewinkel fett dargestellt, das Wort Tischtennis selber aber bleibt unberührt. Ok, da wird wohl Googles Synonym Wörterbuch zugeschlagen haben. Und anscheinend auch eine Art Phrasen-Match, ansonsten hätte auch das Wort Tischtennis gefettet werden müssen. Ok, dann jetzt mal nach “TT Harsewinkel” gesucht, da sollten doch wohl genau die erwarteten Begriffe hervorgehoben werden. Bingo!

Im Prinzip so wie erwartet, das Gesuchte wird in Fettdruck gezeigt. Und anscheinend wieder so ein Phrasenmatch, denn das Wörtchen Tischtennis im Title bleibt wieder unangetastet. Im Snippet sieht man das Wort hingegen hervorgehoben, ein klares Zeichen dass Google den Begriff TT als Synonym für Tischtennis führt. Jetzt war’s dann an der Zeit, auch mal die Reihenfolge der Wörter umzudrehen.

Ok, nicht schlecht. Wieder nur die Phrase hervorgehoben, diesmal dümpelt das Wörtchen TT vorne unberührt herum. Insofern war dann die vierte Kombination auch keine Überraschung mehr. Obwohl nach TT gesucht wurde, wird der Begriff nicht hervorgehoben.

Nach dieser langen Vorgeschichte ist das also keine Überraschung mehr. Aber wer hätte das so vorhergesagt? Ich nicht. Und weil’s so viel Spass gemacht hat, habe ich dann auch noch eine weitere Kombination ausprobiert. Noch mal ein TT an die letzte Suchkombination drangehängt, um jetzt das zusätzliche Highlighten von TT zu erzwingen. Das klappte dann auch irgendwie. Zumindest wenn man davon absieht, dass jetzt der Begriff Tischtennis wieder zum Mitläufer degradiert wurde.

Man könnte glatt einen Rate-Wettbewerb zu Googles Title-Spielereien aufmachen. Gesucht wird der König der Title Tags 😉

Die Welt ist ungerecht. Zumindest aus Sicht der Zeitungen und Zeitschriften-Verleger. Die Suchmaschine Google verlegt ihren Content und verdient auch noch Geld damit. Das ist nicht fair. Und weil nicht sein kann was nicht sein darf, rennt man gemeinsam zum Kartellamt und legt Beschwerde ein. Leider ist das auch so ziemlich das einzige, worin sich Zeitungen und Verlage einig sind. In Zeiten finanzieller Not greift man gerne nach einem Strohhalm, und wenn man es nicht alleine schafft, dann muss halt das Kartellamt gegen Google antreten.

Insgesamt sind es sogar drei Parteien die beim Bundeskartellamt Beschwerde eingereicht haben. Einmal die Verleger, dann die frischgebackene Microsoft-Tochter Ciao und zu guter Letzt auch noch der Kartendienst-Anbieter Euro-Cities. Was Ciao für ein Problem hat, habe ich selbst nach fünfmaligem Lesen der Nachrichten nicht verstanden. Bei Euro-Cities kann ich es verstehen, wer wird schon gerne vom Markt verdrängt, weil plötzlich einer wie Google daherkommt und die wertvollen Karten auf einmal für lau unters Volk schmeisst. Erinnert mich ein wenig an die Sache mit Urchin bzw Google Analytics, als Google eine ehemals 199 Dollar teure softe Ware auf einmal für Null Komma Nix Märker ins Web stellte und damit der Statistik- und Analyse-Branche schwere Verluste zugefügt haben dürfte. So richtig gesund für den Wettbewerb ist das sicher nicht.

Googles Macht ist an dieser Stelle schon erschreckend. Zumindest hier bei uns in Deutschland, wo Google quasi 90% des Suchmaschinen-Traffics für sich vereinnahmt. Wo Google Postfächer kostenlos und in GigaBytentischen Portionen verschenkt, wo Analytics für lau die halbe Welt protokolliert und kontrolliert. Wo Google schon heute kostenlose Handy-Betriebssysteme vertreibt, morgen vielleicht schon “Wlan für Alle” anbietet und übermorgen die Handies & Webzugangsgeräte gleich auch noch dazu verschenkt. Vor ein paar Jahren hätte ich zu mir noch gesagt, “du spinnst, es hat doch keiner was zu verschenken”. Heute denke ich da anders drüber.

Nach so viel Abschweifung wird jetzt aber ein Rücksturz zur eigentlichen Thematik notwendig. Bei aller Vorsicht was die Marktmacht und Innovationsfreude von Big Brother Google angeht, die Forderungen der Verlage halte ich schlichtweg für einen Witz. Aus welchen Beweggründen auch immer das Internet von den Verlagen verschlafen wurde, wer jahrelang zu blöde war die Entwicklung im Web zu antizipieren, sollte jetzt nicht auch noch beleidigt tun, weil der große Bruder einem den Lolli nicht bezahlen will, den er einem tags zuvor geschenkt hat 😉

privacy-statsPassend zu Nikolaus hatte ich im SOS Seo Blog mein Unbehagen über die neue Google-Personalisierung ausgedrückt und zugleich eine kleine Umfrage dazu gestartet. Die Frage lautete: “Wie findest du die personalisierte Google Suche?”. Mittlerweile sind 145 Stimmen dazu abgegeben worden, deren Stimmverteilung könnt ihr der linken Grafik entnehmen.

Natürlich darf man das jetzt nicht als repäsentativ für die deutsche Internet-Bevölkerung ansehen, sowohl die kritische Auseinandersetzung in meinem Artikel als auch die sehr seo- und marketinglastige Leserschaft dürften für eine deutliche Subjektifizierung der Umfrage gesorgt haben. Nichtsdestotrotz ein nettes Wahl-Ergebnis. Nur knapp 10% der Teilnehmer freut sich darauf von Google ausspioniert und bevormundet zu werden, weiteren knapp 20% ist es egal und der große Rest lehnt den neuen Service ganz ab und möchte ihn abschalten.

Gespannt bin auf jeden Fall mal auf die offiziellen Verlautbarungen Seitens Google zu diesem Thema. Wenn es sie denn jemals geben wird. Witzigerweise ist Google selber nämlich sehr auf die eigene Privacy bedacht und rückt solche Daten nur selten bis ungern raus 😉

PS: Noch eine Anmerkung. Die letzten Tage musste ich desöftern schmunzeln ob der Auswirkungen bzgl. die Personalisierung. Ein Bekannter rief mich völlig euphorisch an und teilte mir mit, dass seine Seite beim Hauptkeyword gerade von Platz 9 oder 10 auf 2 hochgeschnellt wäre. Er wäre auch nicht bei Google eingeloggt. Leider musste ich ihm die Illusionen rauben und ihn bitten, er möge doch einmal seine Cookies löschen bzw das Webprotokoll deaktivieren. Er war nicht der einzige. Selbst einige Seo-Honoratioren sind über den Privacy Fallstrick gestolpert. Und das will schon was heißen. So richtig marginal scheinen mir die Unterschiede/Auswirkungen nämlich nicht zu sein, wie mancherorten verlautbart und vermutet wurde.

Nachdem ich gerade über die Top-Suchbegriffe 2009 geschrieben und mich über die Prüderie der Suchmaschinen ereifert habe, hier noch ein Nachschlag zum Thema Prüderie und Google. Ich frage mich schon lange, warum Google nicht endlich seine prüde Suchhaltung aufgibt und sich auch ein Stückchen vom Sex-Kuchen abschneidet. Ich kann ja verstehen, dass Google als international tätiger Suchmaschinist bei pornografischen Inhalten vorsichtig wird, alleine schon um juristischen Ärger zu vermeiden. Aber warum ziert sich Google bei relativ harmlosen Begriffen wie Escort und Escortservive, auf seinen Suchseiten AdWords Anzeigen zu veröffentlichen?

Kauf mich Das wunderte vor einiger Zeit auch Julius und seine Kollegen. (Julius und seine Brüder sind nämlich nicht nur Eigentümer der Domain Seo.de, sie sind auch Betreiber einiger leicht esoterisch angehauchter Webseiten wie poppen.de oder gays.com.) Beim Versuch sein gerade frisch eröffnetes Kaufmich-Projekt über Google AdWords zu promoten, gabs leider eine Abfuhr. Folgende Mail segelte ihm vor einigen Wochen ins Postfach:

Hi Julius,

schlechte Nachrichten: ich habe per Telefon gerade die Ansage von Google bekommen, dass Escortservices u.ä. bei Google überhaupt nicht erwünscht sind.

Ich habe bisher bei Adwords auch noch kein vergleichbares Angebot gefunden.

Es sieht also momentan schlecht aus für KaufMich.de

Grüße
P.

Tja, so kann’s gehen. Die Jungs hatten extra für Google mit Kaufmich.de eine begrifflich abgeschwächtere Version ins Netz gestellt, doch auch das hat nicht geholfen. Google mag keine Escort Services und sagt das auch ganz deutlich: “Don’t promote escort services.” Auf Deutsch gibt es diesen Hinweis auch noch mal, dort heißt es klar und deutlich: Werben Sie nicht für Begleitservices (evtl. muss die Sprache passend eingestellt werden). Eine Überprüfung der Google Serps für Escort zeigt puristisch einwandfreie Ergebnisse, nicht einmal für Ford Escort wird dort geworben. Konsequent sind sie bei Google, das muss man ihnen lassen.

Doch halt. Was ist denn das? War da nicht gerade etwas von wegen Begleitservices? Ist das wirklich sauber? Ich dachte, man dürfe nicht dafür werben. Ich zähle aber gerade 8 AdWords-Anzeigen zum Thema Begleitservice. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, die beworbenen Seiten böten gar keinen Begleitservice an? Ist das dann sauber? Ist das nicht irreführende Werbung? Es wird für etwas geworben, was nachher nicht auf den Seiten angeboten wird. Entspricht das Googles ethischen Grundregeln? Wie man es auch dreht und wendet, Google scheint hier etwas schizoid aufgelegt zu sein.

Mich stört das ehrlich gesagt gar nicht. Ich finde es wäre vielmehr sinnvoll, wenn Google auch Begriffe wie Escortservice mit AdWords bedienen würde. Generell würde es bei vielen “erotischen” Begriffen Sinn machen Firmen mit Geld vorne in die Serps reinzulassen, denn die Chancen in den AdWords-Resultaten Webseiten mit einer höheren Qualität auszuliefern als in den organischen Suchresultaten, stehen gut. Mein Postulat: Google würde die Qualität seiner Suchergebnisse bei erotischen und pornografischen Begrifflichkeiten verbessern, wenn die Suchmaschine mit den AdWords-Anzeigen eine Art Schutzwall vor die ansonsten ungezügelten Suchresultate schalten würde 😉

Update 14.12.09: So ein Mist. Das hier eingebundene “Kauf mich” Musikvideo von den Toten Hosen wurde von YouTube aus Copyright-Gründen abgeknipst. Schade, das Lied war die optimale Untermalung für den Artikel hier.

Mario hat ein interessantes Google News Fundstück ausgegraben, das sehr schön zeigt wie hoch die Qualitätsansprüche beim Suchmaschinen-Giganten aus Mountain View derzeit liegen.

Der Gewinn von 6,3 Millionen ging an einen Frau. Trotz dem Herrlichen Glückwunsch an die Gewinnerin.

Schöner hätte ich das auch nicht ausdrücken können. Derart eloquente Sequenzen verbaler Interferenzen suchen Ihresgleichen. Überhaupt ist das ganze Elaborat ein Quell kreativer Satzgestaltung. Und als wenn das nicht genug wäre, auch inhaltlich verblüfft das Werk. Von einem Artikel über die Ziehung der Lottozahlen hätte ich eigentlich erwartet, dass dort auch die Zahlen gelistet würden. Doch vielleicht liege ich ja falsch und erwarte einfach zu viel von einem Artikel, der es bis in die Google News geschafft hat.