Der jüngste SEO Fall, nämlich der Fall und Aufstieg von Rap Genius, zeigt ganz deutlich, dass vor Gott und vor Google alle Beteiligten gleich sind. Und einige sind gleicher. Besonders wenn sie groß sind. Bekannt sind. Eine Marke sind. Dann nämlich können sich diese besonders Gleichen Praktiken erlauben, an denen sich andere verschlucken würden. Böse Praktiken. Dubiose Praktiken. Spammige Praktiken könnten so zu einer SEO Waffe der Besserverdienenden werden. Ein wenig erinnert einen das schon an Animal Farm. Alle sind gleich, doch einige sind gleicher.

Womit wir bei Georg Orwell angelangt wären, dem Autor und geistigen Vater von “Animal Farm”, auf deutsch auch “Farm der Tiere” genannt. Diese Parabel aus dem Jahre 1945 hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Wir alle sind gleich. Vor Gott und dem Gesetz. Eine Ausnahme bilden höchstens die Reichen und Mächtigen und natürlich die Geheimdienste. Auch da sind einige gleicher. Dürfen sich einige über das Gesetz stellen. Dürfen Recht beugen oder es unterlaufen. Dürfen den “Großen Bruder” spielen. Dürfen die anderen ausspionieren. Nach Lust und Laune.

Georg Orwell hat nämlich nicht nur die Parabel von der Farm der Tiere geschaffen, er hat vier Jahre später mit seinem Big Brother Roman “1984” eine erschreckende Zukunftsvision nachgelegt, die in Zeiten von NSA und PRISM wieder in neuem Glanz erstrahlt. Und obwohl dank Edward Snowden und Co. gerade viel von den dubiosen Machenschaften der Geheimdienste ans Tageslicht gezerrt wurde, die Reaktionen darauf erscheinen mir erschreckend schwach. Es wirkt eher so, als ob wir hier gerade wie die Schafe auf der Farm herumgrasen und so ziemlich alles schlucken, was uns die Schweine zum Fraß vorwerfen. Guten Appetit!

Und wenn man es genau betrachtet, dann unterscheiden sich die Techniken der NSA nicht sonderlich von denen von Google und Facebook. Letztere spionieren uns aus, unsere Beziehungen und unsere Informationen, um die so gewonnen Daten am Ende zum Wohl des Mammons einzusetzen. So oder so ähnlich.

So, jetzt rege ich mich hier im Blog auch noch ein wenig auf. Es nervt ungemein, dass Google von seiner gehobenen Suchqualität und Kolibris schwadroniert, aber zu blöde ist doppelte Inhalte dem korrekten Autor zuzuweisen. Der Artikel über meine jüngste größere Anschaffung im Sos Seo Blog steht schon seit Januar 2010 im Netz, wenn ich aber danach suche in Google mit der Phrase “eine größere Anschaffung“, dann taucht da auf Position 11 die Seite von seo-nation.de auf. Von meiner Seite nichts zu sehen. Wie gemein ist das denn? Sollte meine Seite ein Duplicate Content Opfer geworden sein?

Und so ist es wohl. Sucht man mit der Option filter=0 nach obiger Suchphrase eine größere Anschaffung, dann taucht auf einmal auch mein Beitrag aus den Tiefen des Webs wieder auf. Die Seite ist also im Google Index, Google hat aber die Ähnlichkeit zwischen den Dokumenten erkannt und gibt der Kopie den Vorzug.

groessere-anschaffung

Ich finde, Google könnte sich hier schon ein wenig mehr Mühe geben. Wozu gibt es den rel Author Tag, wozu hebt Google das Bild in den Serps hervor, schreibt was von 2681 Kreisen, die dem Autor folgen und gibt dann der schnöden Kopie den Vorzug. Die Kopie hat keine solche Auszeichnung. Sie verlinkt sogar, leider aber nicht von der Artikelseite aus, auf meinen Originalartikel. Insofern kann ich dem Copyisten nicht mal so richtig etwas vorwerfen. Außer den Einsatz von nofollow 😉

Google werfe ich aber vor, dass es sich keine große Mühe bei der Erkennung gegeben hat. Zwölf Kommentare zieren meinen Artikel, die Kopie hingegen läuft kommentarlos durchs Netz. Bei der Uhrzeit im RSS Feed sind die Seiten pari, beide führen ‎Samstag, ‎23. ‎Januar ‎2010, ‏‎05:33:13 als Veröffentlichungsdatum an. Es gab in der Vergangenheit mal ein paar sporadische Links, die aber alle ohne Wert und Relevanz waren. Insofern ist das auch kein toller Indikator. Ich habe einen Tweet, ein Like und ein Google+ als soziale verstärkende Signale – das ist leider sehr dünn. Aber Google muss doch den Charakter der anderen Website erkennen können, die nichts anderes ist als ein RSS-Verzeichnis für Seo-Artikel. Wie kann ich einem RSS Verzeichnis den Vorrang gegenüber den Originalen geben? Man stelle sich vor ein Journalist würde derart schlampig recherchieren wie Google. Dann würde die Menschheit auch bald glauben, die Story und zugrundeliegende Idee von der größeren Anschaffung wäre von mir – und nicht von Wolfgang Hildesheimer 😉

Ich kann es mir nicht verkneifen meine Meinung zum Bloggergate Skandal in Worte zu fassen, denn irgendetwas muss ich fassen, weil ich es sonst nicht fassen kann, was da gerade passiert. Sascha Pallenberg, großer Blog Monetarisierer und Techblogger, hat vor ein paar Tagen einen Skandal angekündigt, der seinesgleichen suchen sollte. Vom Tsunami in der Blogosphäre war die Rede. Jetzt ist es passiert. Sascha hat den Tsunami losgelassen: “Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam.” Ein Skandal, ich war schockiert als ich das gelesen habe. Wie kann man so einen Zirkus im Vorfeld veranstalten und dann so etwas Halbgares abliefern.

Aus Google-Sicht ist doch vor allem interessant, wo die bösen Links liegen. Denn diese schädigen doch die Google-Rankings. Und so lange die “schuldigen” Blogger und die dazugehörigen Links weiter brav im Web rummachen dürfen, ist doch nichts passiert. Bei Trigami wurde damals den mitwirkenden Bloggern der PageRank gekürzt, das hat für Unbehagen und Unruhe gesorgt. Letztendlich hat es das Geschäftsmodell Linkverkauf/Miete aber nicht wirklich getroffen. Die Umsätze im Link-Business sind seit damals bestimmt nicht gesunken 😉

@mattcutts, Matt Cutts

@sascha_p Would you mind if someone on the webspam team reached out to talk more about this? Okay to DM me your email address?

So, und da haben wir den Schlamassel, jetzt greift auch noch Matt Cutts ins Geschehen ein. Dessen Interesse müsste es sein, die Namen der Blogger bzw der schleichwerbenden Domains und Linkziele zu erfahren, um mal etwas tabula rasa bei den Verlinkungen zu machen. Vielleicht noch ein wenig PR abziehen, aber was dann? Dann geht das Spiel doch an anderer Stelle weiter und Matt und sein Spamteam dürfen wieder im Dunkeln hinterher tappen. Den Schaden bei der Onlinekosten GmbH sehe ich hingegen nicht. Ganz im Gegenteil, dank Saschas toller Werbung weiss jetzt auch der letzte potentiell käufliche Blogger, an wen er sich wenden muss, um ein paar schnelle und einfache Euros zu verdienen. Und so schlecht fand ich die Bezahlung jetzt auch nicht. Dieses Gerede von Ausbeutung kommt einfach zu reisserisch daher.

Schaut man sich diese Bloggergate Affäre jetzt an, fragt man sich: Was ist passiert? Und warum nicht? Wollte man die Geschichte wirklich rückhaltlos aufklären, dann müsste man ähnlich wie WikiLeaks die Karten auf den Tisch legen. Alle, also auch die gekauften Blogger ans Messer liefern. Nur wie mit denen verfahren? Soll Matt Cutts die etwa einzeln abschlachten? Wollen wir das? Will Sascha das? Hilft das Matt Cutts weiter? Wenn ich mir ansehe mit welch üblem Blogspam derzeit die Google Rankings verbogen werden, dann muss ich sagen, sind diese hier an den Pranger gestellten Artikel und “Qualitätslinks” ein wirklich erfrischendes Gegengewicht dazu.

Wie man es auch dreht und wendet. Es wird keinen Tsunami geben. Eigentlich gibt es nur Verlierer. Außer ein paar Backlinks für Sascha hat hier keiner etwas gewonnen. Seiner Reputation könnte diese Affäre sogar geschadet haben. Immerhin wurde sein Informant versehentlich geoutet und die 100 schwitzenden Blogger haben vielleicht auch schon das Messer gezückt um sich bei ihm zu bedanken, falls Matt Cutts das gekaufte Linknetz aus dem Index herausfräst. Vom Ausbleiben des vollmundig versprochenen Tsunamis mal ganz zu schweigen.

Nachtrag: Fast vergessen, ich habe vor einiger Zeit SeoLeaks.org ins Web gestellt, falls also einer von euch ein paar skandalöse Dokumente entsorgen möchte, ihr wisst jetzt wo. Vielleicht lösen wir damit ja einen richtigen Tornado in Seo-Kreisen aus 😉

Großes Kino. Seo-United hat mal wieder ein goldenes Händchen bei der Auswahl seiner Themen. Geradezu fabelhaft. Ein Seo-Märchen. Ich frage mich, wie Gretus und Co. es immer wieder schaffen, mich so in Verzückung zu bringen:

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer sind die besten SEOs im deutschen Land?

Und dabei geht es erst um die Vorauswahl. Für die im November stattfindenden SEO-Wahlen sollen die potentesten Kandidaten gefunden werden. Stellt sich jetzt nur die Frage, kann man das so einfach mit einer Umfrage heraus bekommen? Ganz abgesehen von der Frage, ob man den besten deutschen Seo überhaupt finden kann bzw welche Kriterien einen besten Seo überhaupt auszeichnen. Alleine die Beschäftigung mit dieser Frage ist wertvoller als jede Umfrage. Ich habe hier Stefan Fischerländers alten Blogartikel deshalb verlinkt, weil er die Komplexität der Frage sehr schön in Wort fasst. Ich kann seine Aussagen nur unterschreiben.

Bester Seo - Fridaynite Zurück zur Umfrage. Das ist natürlich der nächste Schwachpunkt der Geschichte. Der beste Seo ist u. U. derjenige, der das beste Script zum Manipulieren der Votes im Einsatz hat bzw. am schnellsten Cookies löchen und IPs wechseln kann. Oder der es geschafft hat, seine Forenmitglieder zum Abstimmen zu verleiten. Oder seine Facebook Fans zum Mitmachen auffordert. Twitter nicht zu vergessen. Oder ist es vielleicht derjenige, der seine Blogleser am besten zum Voten animiert? Was ich damit ausdrücken will, das Resultat einer Suche nach Deutschands besten Seos hat ein hohen Unterhaltungs-, aber einen niedrigen Informationswert. Und falls es jemanden interessiert, einer der das alles nicht nötig hat und den ich für den besten Seo Deutschlands halte, obwohl er auf Teneriffa sitzt, ist Fridaynite.

Update 17:01 Uhr: Jetzt wird’s lustig, Alexandra Lindner ist gerade im Voting an Johannes Beus und Mario Fischer vorbei gezogen. Das Wettrennen ist eröffnet 🙂

Eigentlich bin ich immer noch kein großer Freund von Twitter. Das auf 140 Zeichen reduzierte Microblogging System mit rudimentären Features und wenig Komfort hat sich aber dummerweise zu einem echten Platzhirsch entwickelt und zwingt einen dadurch, sich mit dem Dienst zu beschäftigen. Auf jeden Fall ist Twitter ein Zeitfresser, lockt einen ein ums andere mal über irgendwelche Short-Urls hinaus ins WWW und hält einen so von der Arbeit ab 😉

Die Meldungen die da durchs Internet strömen sind bisweilen von fragwürdiger Qualität. Ok, eine gewisse Mitschuld hat man auch selber durch die Wahl der Personen, denen man folgt. Auf der anderen Seite rauschen dort aber auch wichtige und spannende Informationen mit einer noch nie da gewesenen Taktrate an einem vorbei und führen mancherorts zu erschreckenden Beschleunigungen von Prozessen. Ein schönes Beispiel für diese ungeheure Beschleunigung des Webs bot gestern der Anmelde Prozess für die Abakus Pub-Konferenz. Die dort angebotenen 100 freien Plätze waren in sage und schreibe 35 Minuten vergriffen. Das ist noch mal deutlich schneller als im letzten Jahr, als nach rund 2 Stunden alles zu Ende war.

Die Frage die sich mir stellt. Finde ich das eigentlich so toll? Eher nicht. Wenn die Entwicklung so weiter ginge, dann dürfte man in zwei Jahren kaum mal den Blick vom Twitterfeed abwenden, geschweige denn kurz mal aufs Klo, ohne Angst haben zu müssen irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben. Es könnte irgend so ein Böser Seo eine handvoll Beta-Accounts unters Volk schmeissen oder ein Guter Seo eine Palette von Büchern unter seinen Followern aufteilen und bevor man von der Sache auch nur einen Buchstaben gesehen hat, sind die Präsente schon verteilt. Echt fies.

Nachdem ich gerade über die Top-Suchbegriffe 2009 geschrieben und mich über die Prüderie der Suchmaschinen ereifert habe, hier noch ein Nachschlag zum Thema Prüderie und Google. Ich frage mich schon lange, warum Google nicht endlich seine prüde Suchhaltung aufgibt und sich auch ein Stückchen vom Sex-Kuchen abschneidet. Ich kann ja verstehen, dass Google als international tätiger Suchmaschinist bei pornografischen Inhalten vorsichtig wird, alleine schon um juristischen Ärger zu vermeiden. Aber warum ziert sich Google bei relativ harmlosen Begriffen wie Escort und Escortservive, auf seinen Suchseiten AdWords Anzeigen zu veröffentlichen?

Kauf mich Das wunderte vor einiger Zeit auch Julius und seine Kollegen. (Julius und seine Brüder sind nämlich nicht nur Eigentümer der Domain Seo.de, sie sind auch Betreiber einiger leicht esoterisch angehauchter Webseiten wie poppen.de oder gays.com.) Beim Versuch sein gerade frisch eröffnetes Kaufmich-Projekt über Google AdWords zu promoten, gabs leider eine Abfuhr. Folgende Mail segelte ihm vor einigen Wochen ins Postfach:

Hi Julius,

schlechte Nachrichten: ich habe per Telefon gerade die Ansage von Google bekommen, dass Escortservices u.ä. bei Google überhaupt nicht erwünscht sind.

Ich habe bisher bei Adwords auch noch kein vergleichbares Angebot gefunden.

Es sieht also momentan schlecht aus für KaufMich.de

Grüße
P.

Tja, so kann’s gehen. Die Jungs hatten extra für Google mit Kaufmich.de eine begrifflich abgeschwächtere Version ins Netz gestellt, doch auch das hat nicht geholfen. Google mag keine Escort Services und sagt das auch ganz deutlich: “Don’t promote escort services.” Auf Deutsch gibt es diesen Hinweis auch noch mal, dort heißt es klar und deutlich: Werben Sie nicht für Begleitservices (evtl. muss die Sprache passend eingestellt werden). Eine Überprüfung der Google Serps für Escort zeigt puristisch einwandfreie Ergebnisse, nicht einmal für Ford Escort wird dort geworben. Konsequent sind sie bei Google, das muss man ihnen lassen.

Doch halt. Was ist denn das? War da nicht gerade etwas von wegen Begleitservices? Ist das wirklich sauber? Ich dachte, man dürfe nicht dafür werben. Ich zähle aber gerade 8 AdWords-Anzeigen zum Thema Begleitservice. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, die beworbenen Seiten böten gar keinen Begleitservice an? Ist das dann sauber? Ist das nicht irreführende Werbung? Es wird für etwas geworben, was nachher nicht auf den Seiten angeboten wird. Entspricht das Googles ethischen Grundregeln? Wie man es auch dreht und wendet, Google scheint hier etwas schizoid aufgelegt zu sein.

Mich stört das ehrlich gesagt gar nicht. Ich finde es wäre vielmehr sinnvoll, wenn Google auch Begriffe wie Escortservice mit AdWords bedienen würde. Generell würde es bei vielen “erotischen” Begriffen Sinn machen Firmen mit Geld vorne in die Serps reinzulassen, denn die Chancen in den AdWords-Resultaten Webseiten mit einer höheren Qualität auszuliefern als in den organischen Suchresultaten, stehen gut. Mein Postulat: Google würde die Qualität seiner Suchergebnisse bei erotischen und pornografischen Begrifflichkeiten verbessern, wenn die Suchmaschine mit den AdWords-Anzeigen eine Art Schutzwall vor die ansonsten ungezügelten Suchresultate schalten würde 😉

Update 14.12.09: So ein Mist. Das hier eingebundene “Kauf mich” Musikvideo von den Toten Hosen wurde von YouTube aus Copyright-Gründen abgeknipst. Schade, das Lied war die optimale Untermalung für den Artikel hier.

Mario hat ein interessantes Google News Fundstück ausgegraben, das sehr schön zeigt wie hoch die Qualitätsansprüche beim Suchmaschinen-Giganten aus Mountain View derzeit liegen.

Der Gewinn von 6,3 Millionen ging an einen Frau. Trotz dem Herrlichen Glückwunsch an die Gewinnerin.

Schöner hätte ich das auch nicht ausdrücken können. Derart eloquente Sequenzen verbaler Interferenzen suchen Ihresgleichen. Überhaupt ist das ganze Elaborat ein Quell kreativer Satzgestaltung. Und als wenn das nicht genug wäre, auch inhaltlich verblüfft das Werk. Von einem Artikel über die Ziehung der Lottozahlen hätte ich eigentlich erwartet, dass dort auch die Zahlen gelistet würden. Doch vielleicht liege ich ja falsch und erwarte einfach zu viel von einem Artikel, der es bis in die Google News geschafft hat.