Nachdem ich gerade über die Top-Suchbegriffe 2009 geschrieben und mich über die Prüderie der Suchmaschinen ereifert habe, hier noch ein Nachschlag zum Thema Prüderie und Google. Ich frage mich schon lange, warum Google nicht endlich seine prüde Suchhaltung aufgibt und sich auch ein Stückchen vom Sex-Kuchen abschneidet. Ich kann ja verstehen, dass Google als international tätiger Suchmaschinist bei pornografischen Inhalten vorsichtig wird, alleine schon um juristischen Ärger zu vermeiden. Aber warum ziert sich Google bei relativ harmlosen Begriffen wie Escort und Escortservive, auf seinen Suchseiten AdWords Anzeigen zu veröffentlichen?

Kauf mich Das wunderte vor einiger Zeit auch Julius und seine Kollegen. (Julius und seine Brüder sind nämlich nicht nur Eigentümer der Domain Seo.de, sie sind auch Betreiber einiger leicht esoterisch angehauchter Webseiten wie poppen.de oder gays.com.) Beim Versuch sein gerade frisch eröffnetes Kaufmich-Projekt über Google AdWords zu promoten, gabs leider eine Abfuhr. Folgende Mail segelte ihm vor einigen Wochen ins Postfach:

Hi Julius,

schlechte Nachrichten: ich habe per Telefon gerade die Ansage von Google bekommen, dass Escortservices u.ä. bei Google überhaupt nicht erwünscht sind.

Ich habe bisher bei Adwords auch noch kein vergleichbares Angebot gefunden.

Es sieht also momentan schlecht aus für KaufMich.de

Grüße
P.

Tja, so kann’s gehen. Die Jungs hatten extra für Google mit Kaufmich.de eine begrifflich abgeschwächtere Version ins Netz gestellt, doch auch das hat nicht geholfen. Google mag keine Escort Services und sagt das auch ganz deutlich: “Don’t promote escort services.” Auf Deutsch gibt es diesen Hinweis auch noch mal, dort heißt es klar und deutlich: Werben Sie nicht für Begleitservices (evtl. muss die Sprache passend eingestellt werden). Eine Überprüfung der Google Serps für Escort zeigt puristisch einwandfreie Ergebnisse, nicht einmal für Ford Escort wird dort geworben. Konsequent sind sie bei Google, das muss man ihnen lassen.

Doch halt. Was ist denn das? War da nicht gerade etwas von wegen Begleitservices? Ist das wirklich sauber? Ich dachte, man dürfe nicht dafür werben. Ich zähle aber gerade 8 AdWords-Anzeigen zum Thema Begleitservice. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, die beworbenen Seiten böten gar keinen Begleitservice an? Ist das dann sauber? Ist das nicht irreführende Werbung? Es wird für etwas geworben, was nachher nicht auf den Seiten angeboten wird. Entspricht das Googles ethischen Grundregeln? Wie man es auch dreht und wendet, Google scheint hier etwas schizoid aufgelegt zu sein.

Mich stört das ehrlich gesagt gar nicht. Ich finde es wäre vielmehr sinnvoll, wenn Google auch Begriffe wie Escortservice mit AdWords bedienen würde. Generell würde es bei vielen “erotischen” Begriffen Sinn machen Firmen mit Geld vorne in die Serps reinzulassen, denn die Chancen in den AdWords-Resultaten Webseiten mit einer höheren Qualität auszuliefern als in den organischen Suchresultaten, stehen gut. Mein Postulat: Google würde die Qualität seiner Suchergebnisse bei erotischen und pornografischen Begrifflichkeiten verbessern, wenn die Suchmaschine mit den AdWords-Anzeigen eine Art Schutzwall vor die ansonsten ungezügelten Suchresultate schalten würde 😉

Update 14.12.09: So ein Mist. Das hier eingebundene “Kauf mich” Musikvideo von den Toten Hosen wurde von YouTube aus Copyright-Gründen abgeknipst. Schade, das Lied war die optimale Untermalung für den Artikel hier.

8 Kommentare
  1. Bianca
    Bianca sagte:

    Schade, dass Google Deutschland nicht in der Lage ist, sich zumindest ein wenig aus der moralischen Umklammerung des Mutterkonzerns zu befreien. “Begleitservices” werden gesellschaftlich noch immer mit einer solchen Doppelmoral konfrontiert, dass eine Internetzensur, welche strenger als die tatsächlichen gesetzlichen Regelungen ist, die Chance auf eine andere Wahrnehmung (nämlich als Sexworker) zunichte macht.
    Mit Kaufmich.de und Kaufmich.com wollen wir Escorts und Kunden die Möglichkeit geben, auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die der heutigen Zeit schlicht angemessen ist. Dass Google uns dabei zwingt, eine Sprache zu verwenden, die eben nicht nur veraltet ist, sondern auch den Ton einer Verschleierungstaktik hat, ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, wenn es darum geht, qualitativ hochwertige Seiten zu produzieren. Und ist es nicht gerade die Qualität, Aktualität und Popularität der Seiten, die Google gewährleisten will?

  2. Surfwolf
    Surfwolf sagte:

    Also ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern als es bei Google noch erlaubt war mit Begriffen wie Sex, Escort und so weiter zu werben. Das war damals fast so etwas wie eine Gelddruckmaschine, einfach ein erotisches Partnerprogramm etwas schön aufgepeppt und ein paar Mark (ja es waren noch Mark) in die Adwords investiert und schon stiegen die Umsatzzahlen. Lange ist es her und man muss jetzt doch wieder mit harter Arbeit Geld verdienen 🙂

  3. Tourist
    Tourist sagte:

    Ich glaube, man sollte Adwords nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken. Das Geld kann man besser anlegen, als mit Klicks zu vernichten.

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  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Gerald Steffens, mo erwähnt. mo sagte: #seo #seo.de Kauf mich!: Nachdem ich gerade über die Top-Suchbegriffe 2009 geschrieben und mich über die Prüderi… http://bit.ly/6ekwM4 […]

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