Es ist einer jener Sätze, die selbst hartgesottenen Männern Freudentränen in die Augenwinkel treiben: „Papa, nimmste mich mit auf die Baustelle?“ Da steht sie, die kleine Eva und schaut erwartungsvoll ihren Papa an. Vati kontrolliert derweil das Haltbarkeitsdatum des Pils. Könnte ja sein, dass faulende Hefekulturen seine Sinne trüben. „Wat, Mädchen? Du mit deinem alten Herrn auf die Baustelle?“, fragt Papa Horst vorsichtig und gleichsam überglücklich. Wenn schon Sohn Kurti nicht in seine Fußstapfen tritt, vielleicht klappt es ja mit Eva. „Sag ich doch, Papa. Is ne coole Location, so mit Bagger und Sandberg.“ Horst springt auf und ruft Richtung Küche: „Mutti, wir haben alles richtig gemacht. Hol mal den rosa Helm aus´m Schrank. Unsere Kleine wird Baggerfahrerin.“

Dann gibt es Sätze, auf die Papa Horst ein zweites Pils braucht. „Nee. Ich arbeite doch nicht aufm Bau. Da versaue ich mir ja die Nägel. Ich werde Influencerin.“ Eva schüttelt den Kopf und macht Selfie Nummer 47 seit dem Mittagessen. 48 und 49 folgen. Währenddessen stürmt Mutter Gerda aus der Küche. „Mädchen, bei wem hast Du Dich denn angesteckt. Influenza? Hast Du Fieber? Sollen wir zum Arzt?“ Klein Eva rollt mit den Augen und Papa Horst reißt es zum zweiten Mal aus dem Sessel. „Sach mal, spinnst Du? Willst Du meine Kollegen krank machen? Bogdan hat schon Schnupfen und der Karl-Heinz röchelt auch so komisch.“

„In-flu-en-cer“, buchstabiert Eva. „Ich will Influencerin werden.“ Horst und Gerda gucken sich an. Dann scheint der Groschen beim Papa zu fallen. Und das, was ihm da durch den Kopf geht, gefällt ihm gar nicht. Sein Kopf hat die Farbe vom roten T-Shirt angenommen. „Fang mich bloß nich an wie der Sascha vom Kegelclub.“ Vater redet sich in Rage. „Für ein paar Euro Influenza-Medikamente testen und danach wächst Dir ein Horn auf der Stirn oder Dir läuft rosa Glibber aus der Nase.“ Da schüttelt es selbst Mutter Gerda. „Mädchen, da lass mal schön die Finger von. Du bist doch so hübsch.“

Die leicht gereizte Stimmlage der Mutter und die Tatsache, dass Papa am dritten Bier nestelt, lässt Eva das Smartphone zur Seite legen. Zeit für ein paar klärende Worte. „Als Influencerin mache ich Fotos und Videos und zeig die dann im Internet.“ Die Bierflasche landet (glücklicherweise ungeöffnet) auf dem Teppich und Vater fast an der Decke. „Himmelherrgott. Womit habe ich das verdient?“ Auch die Mama ist schockiert. „Fotos und Videos im Internet“, murmelt sie. Das hat gesessen.

Klein Eva hätte vielleicht ein wenig warten sollen, ehe sie weiter ausholt. Sie erklärt, dass sie auf den Bildern hübsche Klamotten und ein Super-Make-up zeigt und dafür bezahlt wird, weil hunderte Follower die Fotos anklicken, auf denen sie schöne Sachen zeigt. Das ist dann doch zu viel für Papa. „Aufgetakelt wie ne Puffmutti und das im Internet. Was sollen die Nachbarn denken?“ Zwei Schluck aus der Pulle und er legt nach: „Die Linda von gegenüber, die hat auch so Fotos von sich gemacht. Zwei davon hat Bogdan neben sich auf dem Bett liegen.“ Bevor der Papa wedelnde Palmen ins Spiel bringt, unterbricht die Mutti: „Willst Du nicht lieber was Ordentliches lernen?“

Das Töchterchen ist genervt. „Ihr habt doch keine Ahnung von Dagi Bee und so. Die verdienen richtig Kohle.“ Vater Horst krallt sich im Sessel fest. „Bienchen und Blümchen. Junge Frau, jetzt reichts. Das hat Deine Mama Dir ausführlich erklärt.“ Es klatscht – und zwar Evas Hand auf ihre Stirn „Dagi Bee, Papa. Die und die Lochis und BibisBeautyPalace sind meine großen Vorbilder.“

Endlich etwas, das Mutter Gerda versteht: Beauty-Palace. „Horst, reg Dich nicht auf. Eva will so was machen wie die Jaqueline. Nägel und so.“ Papas Blutdruck bewegt sich ein wenig Richtung hochnormal. „Ach so, da musste schicke Klamotten und Make-up haben. Stimmt. Kannste Mutti später die Haare machen. Die 30 Euro sparen wir uns dann.“

Da Horst und Gerda immer noch auf der Leitung stehen, schnappt sich Eva ihr Handy. Erst ein Selfie, dann Papa und Mama Instagram zeigen. Das Profil einer Influencerin, was sonst. „Damit werde ich reich“, sagts und hält den Eltern Bilder der Kategorie „schaut her, ich zeige Euch ganz unauffällig meine Uhr, die irgendwie auf meiner neuen Dose Proteinpulver neben dem Super-T-Shirt gelandet ist“. Papa starrt auf das Model im Bikini. Mama fragt sich, wie teuer die Gesichtspflege der jungen Frau ist und wo sie die neue Creme bestellen kann. Eva ruft derweil ein paar YouTube-Videos auf, in denen im Brustton der Überzeugung und im Schatten des Werbehinweises die Vorteile einer linksseitig rotierenden Gesichtsbürste mit pinken Pudernoppen erklärt werden.

„Damit kann man Geld verdienen?“ Für Papa ist das zu hoch. „Und warum willste dann mit mir auf die Baustelle?“ „Weil man da spitzenmäßige Fotos machen kann. Das hat nicht jeder.“ Evas Finger fliegen über das Display ihres Smartphones. „Guck mal, das ist mein Profil. 27 Follower. Sogar der Martin aus der Klasse über mir und Dein Kollege Bogdan folgen mir.“ Eva hält Papa und Mama die Bilder unter die Nase. „Nächste Woche lade ich mein erstes Video hoch. Ich dachte da an ein Tutorial, wie man die Gummistiefel putzt, wenn man den Papa auf der Baustelle besucht hat.“ Das gefällt dem Vater. Und Mama will sogar helfen, mit einem neuen Schwammtuch. Wäre doch peinlich, wenn die Tochter im Video mit Papas alten Unterhemden die Stiefel putzt.

Bogdan machte am nächsten Tag übrigens Bekanntschaft mit der Faust von Papa Horst, damit ja kein Foto vom Töchterchen auf dem Nachttisch landet. Immerhin: Der Schnupfen war weg. Und Mutter Gerda holte die alte Super-8-Kamera aus dem Keller. Ein Video, wie man Geranien auf dem Balkon umtopft, bringt bestimmt ein paar Euro. Damit sind gleich zwei neue Sterne am Influencer-Himmel: Bagger-Eva (der Name sorgte später ab und an für Missverständnisse) und Blümchen-Gerda.

Hinweis: Mit wenigen, bewusst gewählten Ausnahmen, entspringen alle Namen dem Reich der Fantasie. Die Genannten mögen es verzeihen, dass sie helfen sollen, Eltern wie Horst und Gerda das neue „Berufsbild“ der Influencerin zu erklären.

Es ist ruhig geworden um SEO Jones. Viele Jahre sind ins Land gezogen seit dem Drama mit dem schwarzen Schlaf des Captain OnPage. Weiterlesen

Wenn Seo der Söldner, von seiner Wolke herabblickt, sieht er eine in vielerlei Hinsicht veränderte Welt. Das Reich von Königin Googela ist deutlich größer geworden, obwohl Nachbarn wie Fürst Bingo ihren Einfluss langsam ausbauen. Die Menschen fürchten nicht mehr Räuber mit Messern, sondern Diebe mit Laptops. Und seinen Nachfahren sind die Fußstapfen, die er einst voller Stolz hinterließ, längst zu klein geworden. Sie setzen neue, eigene Zeichen, die vom Wirbel der Zeit immer schneller in die Vergessenheit getragen werden.

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„War das schön“, murmelt Seo. Mit Freude denkt er daran zurück, wie er Googela bezirzte und das Ranking der Dörfer verbesserte. Die Königin hielt ihre Karten zwar immer verdeckt, war seit jeher wankelmütig und ganz sicher nicht leicht zufriedenzustellen. Dafür ließ sich zumindest erahnen, welche Reaktionen auf einzelne Aktionen folgen würden. Mit bunten Bannern, positiven Erwähnungen und Wegweisern schaffte man es relativ zügig, in der Gunst Googelas aufzusteigen. Inzwischen entlocken solche Bemühungen der mächtigen Königin mitunter nur ein müdes Lächeln.

Zu seiner Ära hätte man angesichts der Algorithmen, die heute von geheimen Zirkeln in gut bewachten Kammern programmiert werden, von Zauberei gesprochen. Die Königin deshalb der Hexerei bezichtigen? Viel zu gefährlich, einst wie jetzt. Wer es wagt, die Hand zu heben oder sich den Gelüsten der Herrscherin zu verweigern, wird bestraft. Vom Sandkasten, der Seo ein Schaudern über den Rücken laufen ließ, hört man nur noch wenig. Doch erst ist noch da.

Umso gespannter beobachtet Seo die Bemühungen seiner Nachfolger. Kaum dreht Googela an einem neuen Rädchen oder legt einen weiteren Schalter um, müssen sie springen, damit ihre Arbeit nicht von der Maschinerie der Königin zerrissen wird. In der Stimme des Söldners schwingt Mitleid mit, wenn er leise murmelt: „Hartes Brot.“

Mit Tools und Tabellen, Technik und Trends kämpfen die Seos der Neuzeit um jeden Rang. Minimale Halbwertzeiten vieler Faktoren machen ihnen das Leben nicht gerade leichter. Das Rüstzeug eines guten Seo-Söldners wiegt daher längst schwerer als die Marschmontur eines Elitesoldaten. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Die missfeldtsche Bildoptimierung, kratzige Marketingstrategien, einen Superhelden, der OnPage für Ordnung sorgt – oder wie man damals sagte, das Dorf sauber hält –, die aus Millionen Daten erbaute sistrixsche Kapelle, ein paar spitze Bleistifte und nach Möglichkeit Magentabletten und Baldrian.

Zu allem Überfluss, findet Seo, der Söldner, müssen sich die modernen Recken jetzt auch noch als Dompteure beweisen. Googela hat mit Panda und Pinguin gleich zwei extrem gefährliche Tiere ins Rennen geschickt. Sie zu bändigen, ohne gepickt und gebissen zu werden oder in einen großen Haufen Mist zu treten, hat so manches Dorf überfordert. „Was kommt wohl als nächstes“, überlegt Seo. Er tippt auf ein Zebra. Das entspräche dem schwarz-weißen Weltbild der Königin. Ob es wohl während der Dekade der White-Hats und Black-Hats geprägt wurde?. Wer weiß das schon.

Die Zukunft ist auch für Seo ein Mysterium. Hätte er eine Glaskugel, würde er den tapferen Helden von heute sein Wissen leise ins Ohr flüstern. So bleiben ihm auf seiner Wolke nur Gedankenspiele und die Erkenntnis: Wer nach oben möchte, darf sich nicht auf halber Strecke ausruhen und sollte auf dem Gipfel aufpassen, nicht von der nächsten Googela-Böhe zurück ins Tal geweht zu werden.


Anmerkung von Gerald: Diese Geschichte widme ich Marco Janck und seiner Sumago Truppe.

Seo Jones saß auf einer Bombe. Nach etlichen Monaten intensiver Arbeit hatte er das Gebrabbel de Stottersteine vom Starnberger See entschlüsselt. Das Quintett der Dauersummer zu vereinen war eine der Aufgaben, an denen sich schon sein Vater vergebens versucht hatte. 30 Jahre waren ins Land gegangen und mehrere Tausend Euro gezahlt worden, ehe es endlich klappte und alle fünf Steine im gut gesicherten Bunker der Universität lagen. Jetzt fehlte dem Professor für Linkologie nur das passende Publikum, um das Geheimnis zu enthüllen. Schließlich ging es um nicht mehr und nicht weniger als den Algorithmus des großes Geistes.

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In die Überlegung, welche Veranstaltung geeignet wäre, platzte seine Sekretärin Anna Lytics. „Professor, hier ist eine Einladung von einem gewissen Herrn Kratz zu 50 Leute und 100 Steaks.“ „Kohle oder Gas?“ „Wie?“ „Ich will wissen, ob die Kohlen zum Glühen bringen oder einfach nur den Gashahn aufdrehen.“ Die Stille hielt nicht lange. „Dann verbinde ich Sie eben mit dem Herrn“, sagte Anna Lytics. Als das Telefon klingelte, huschte ein Lächeln über das Gesicht von Seo Jones: „Na, Karl. Wessen Synapsen machst Du Feuer unterm Hintern?“ Die sonore Stimme am anderen Ende der Leitung klang nach einem breiten Grinsen. „Dir, Captain OnPage, Mediadonis und noch ein paar anderen Experten, die gutes Fleisch und ein Schwätzchen zu schätzen zu wissen.“ „Dann leg‘ mir mal die dicksten Steaks beiseite.“

Vier Wochen später, Seo Jones hatte sich bis dahin auf die Zunge beißen müssen, um nichts über den Algorithmus zu verraten, stand er im Grünen. Der Grill – sehr zur Freude des Professors mit weiß glühenden Kohlen bestückt – verbreitete einen himmlischen Duft. Die Liaison der Röstaromen von Fleisch und Gemüsespießen sorgte für gute Laune. Seo Jones plauderte mit Minivip, einigen Linkneulingen und hatte Karl Kratz ganz nebenbei angedeutet, was er entdeckt hatte. Dem Online-Marketender wäre dabei fast die Zange in den Grill und die Sonnenbrille von der Nase gefallen. „Ist nicht wahr.“ Mehr brachte er nicht raus.

Bis zum großen Moment verging noch ein wenig Zeit. Captain OnPage genoss sein viertes Würstchen. „Guck mal Papa, so viel Senf“, rief er seinem Ziehvater Mediadonis zu. Der stupste Seo Jones in die Rippen. „Die Kleinen werden so schnell groß.“ Länger währte die Unterhaltung nicht, weil Karl Kratz eine Kuhglocke schwang und zur Ruhe mahnte. „Seo Jones ist das Unglaubliche gelungen. Er kennt den Algorithmus des großen Geistes. Ihr seid die Ersten, die eingeweiht werden.“ Die Worte zeigten Wirkung. Ein Raunen ging durch die Menge, gefolgt von einem Aufschrei. Captain OnPage zitterte und fiel hin. Irinerl, eine seiner Bekannten, kniete sofort neben ihm. Doch der Superhero reagierte nicht. Auch Mediadonis eilte sofort zum Captain. „Ruft einen Krankenwagen. Wir bringen ihn zu Professor Mario Serpino.“

In der Praxis des Mediziners herrschte Totenstille. Mediadonis wischte sich schweigend eine Träne aus den Augen. Minivip, Karl Kratz, Seo Jones und der Spielkamerad von Captain OnPage, das kleine Serverlein, warteten schweigend auf Professor Serpino. „Meine Herren. Wir haben dem Patienten hoch konzentrierten Linkjuice gegeben, die Sichtbarkeit der Superkräfte um den Faktor 10.0 erhöht und beobachten im Sekundentakt die WDF*IDF-Kurve. Bislang ohne Erfolg.“ Der Ziehvater des Helden sackte in sich zusammen und musste von Seo Jones gestützt werden. „Da ist noch etwas“, sagte der Arzt, „die Augen von Captain OnPage sind schwarz.“ Der Experte bezeichnete das Phänomen als unerklärlich und ließ die Freunde mit ihren Gedanken zurück.

„Helft meinem Jungen.“ Mediadonis sprach die Bitte sehr leise aus. Seo Jones lotste die Gruppe in den Vorraum. „Karl, Du hängst Dich ans Telefon und fragst jeden, der Dir einfällt. Serverlein, Du bleibst hier und passt auf Mediadonis auf. Minivip fährt zur Grillparty und beruhigt die Gäste. Ich mache mich auf den Weg zur Bibliothek.“ Gesagt, getan. Dank seiner Kontakte war es für den Linkologen kein Problem, auch die Bücher zu durchforsten, die eigentlich niemand zu Gesicht bekommen durfte. Dunkle Kräfte hatten sich auf dem längst vergilbten Papier verewigt. Fündig wurde Seo Jones im 48. Buch. Die Handschrift aus einer Zeit, als Menschen die Links noch weit mehr verehrten, erklärte die schwarzen Augen als schwarzen Schlaf. Die Folge eines Fluchs, ausgesprochen von einem mächtigen Geist.

Diese Materie überstieg das Wissen des Linkologie-Professors. Rat wusste in dem Fall nur einer: Wu, ein kauziger alter Mann, der sich ganz der Geschichte der Geister und Dämonen verschrieben hatte. Einen Anruf konnte sich Seo Jones sparen. Technik war dem Greis ein Graus. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu fahren. Bis zum Kuriositätenladen des Mr. Wu waren es 75 Kilometer. Karl Kratz, der im Büro in Windeseile zu Seokratzes mutierte, war auch noch keinen Schritt weiter.

„Seo Jones, wieder mal auf der Suche nach alten Links“, begrüßte der Mann hinter der Theke den Professor. Der Blick von Mr. Wu war hellwach. „Nein. Wir haben ein Problem“. Seo Jones erzählte von den schwarzen Augen und dem schwarzen Schlaf. Wu, den sonst nicht einmal ein schreiender Unterwelt-Troll aus der Ruhe brachte, wirkte von Minute zu Minute nervöser. Die Ader an seiner Schläfe pochte. „Das ist böse“, sagte er. „Folge mir. Es wird Dir nicht gefallen, was Du hörst.

Der dunkle nur von schwarzen Kerzen beleuchtet Raum im Keller des Gebäudes roch nach Moder. Mr. Wu saß auf einem Holzstuhl und bat Seo Jones, sich ebenfalls zu setzen. „Du hast die Stottersteine und weißt, was sie sagen.“ Da Wu die Antwort kannte, fuhr er fort, ohne auf die Reaktion von Seo zu warten. „Die fünf Steine stehen in direkter Verbindung zum großen Geist, den die Menschen in grauer Vorzeit nur G nannten oder Gu. Die Stottersteine wiederholen seine Gedanken aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Knackt jemand dieses Chiffre, wird der große Geist böse.“

Seo Jones brauchte ein paar Minuten, um das Gesagte zu verarbeiten. „Aber warum ist Captain OnPage krank? Ich habe das Geheimnis gelöst. Das verstehe ich nicht.“ Wu stand auf und nahm einen Stapel Papiere aus einem Schrank. „Ich zeige es Dir.“ Auf einem der Blätter war eine Zeichnung. Eine Wolke, die Wu als Gu bezeichnete, aus der Pfeile auf menschliche Figuren prasseln, die auf einer Art Glücksrad liegen. „Der große Geist nimmt nicht immer den, der sein Geheimnis kennt. Es kann jeden treffen, mit dem man in Verbindung steht, und das unmittelbar, bevor der Code offenbart werden soll.“

Meist dauere es Tage, bis sich die Krankheit vollends ausbreite. Captain OnPage sei durch seine Superkräfte besonders anfällig. „Eines der Opfer aus der Geschichte kennst Du. Denn Du bist nicht der Einzige, der die Stottersteine zu verstehen vermag“, sprach Wu. „König Ludwig II. von Bayern war nicht gestört oder verrückt. Er kannte die Botschaft der Steine vom Starnberger See und ging lieber ins Wasser als im schwarzen Schlaf dahinzusiechen.“

Mitten im Gespräch klingelte das Handy von Seo Jones. Karl Kratz meldete sich, dass es Captain OnPage von Minute zu Minute schlechter gehe. „Gibt es eine Lösung?“, fragte der Professor den Geister-Experten. „Ja. Du musst die fünf Steine wieder trennen und Dein Wissen löschen.“ „Wie, mein Wissen löschen.“ Wu hob den Zeigefinger. „Eines nach dem anderen. Erst die Steine.“ Der Linkologe rief Anna Lytics an und bat sie, die Steine in fünf verschiedenen Seen zu versenken. Es dauert ein wenig, bis sie den Erfolg der Aktion per SMS meldete. Danach machte sich Wu ans Werk. Er rührte Kräuter und Tinkturen zusammen, schob übel riechende Lappen in die Nasenlöcher des Professor und führte ihn per Hypnose auf eine Reise ins Ich.

„Was mache ich hier?“ Seo Jones konnte sich nicht mehr erinnern, warum er im Laden von Mr. Wu saß und was er dort eigentlich vorhatte. „Die Welt retten, was sonst.“ Seo Jones verstand kein Wort, auch nicht die Bitte von Wu: „Du musst einfach nur rufen: Großer Geist, das Vergessen ist mit mir.“ Der Professor zögerte. „Mach einfach.“ Wu ließ keinen Zweifel daran, dass es sein voller Ernst ist. Seo Jones sprach die Worte und meinte, ein leichtes Beben zu verspüren. Der schrullige Mann grinste. „Mein Tee scheint zu stark für Dich zu sein. Du gehst besser“, sagte Wu und brachte den Professor vor die Tür.

Zurück bei der Grillparty, es war schon dunkel, fühlte sich Seo Jones wie nach einer Druckbetankung mit bestem Wodka. Karl Kratz informierte ihn, dass Captain OnPage auf dem Wege der Besserung sei. Die Mediziner hätten einen Panda-Pinguin-Infekt als Ursache ausgemacht. Morgen sei der Held wieder auf dem Damm. „Irgendwas hatten wir zwei doch vor. Wenn ich nur wüsste was. Seit der Boden hier gewackelt hat, sind meine Synapsen irgendwie gestört“, meinte Karl, biss ins Würstchen und ließ sich von seiner Frau ein kühles Bier bringen.

Die Bildrechte liegen, wie unschwer zu vermuten, beim großen Bilder Jedi Meister Martin Missfeldt.

Die Wange schmerzte. Sich beim Rasieren zu schneiden, war für Seo Jones immer ein schlechtes Zeichen. Doch diesen Gedanken schob der Linkologe beiseite. Er saß im Zug Richtung Berlin und sah aus dem Fenster. Die Landschaft rauschte an ihm vorbei, wie in einem surreal angehauchten Film. Dass die Link-Welt wenig später stillstehen würde, konnte er nicht ahnen.

Mit jeder Station stieg die Vorfreude auf die Campixx. Es war das erste Jahr, dass der Professor an der legendären Veranstaltung teilnahm. „Da können Sie endlich mal ausspannen“, hatte Anna Lytics ihm noch kurz vor der Abfahrt gesagt. Genau darauf freute sich der Mann, der den Panda gewissermaßen eingetütet hatte. Am Berliner Bahnhof schnappte er sich deshalb das erstbeste Taxi und ließ sich bis auf einen halben Kilometer zum Hotel kutschieren. Den Rest des Weges wollte er zu Fuß zurücklegen. Ein wenig frische Luft und etwas Bewegung waren nach der langen Fahrt genau das Richtige. „Das wird toll“, dachte Seo und legte einen Zahn zu.

Dabei hätte ihm auffallen müssen, dass es immer ruhiger wurde. Erst wenige Meter vor dem Tagungshotel stutzte Seo Jones. Nicht ein Linkologe stand vor der Tür. Es war totenstill. „Wo sind die alle? Bin ich zu spät?“ Der Professor sah auf seine Uhr. Ein paar Minuten noch bis zur Begrüßung durch den Sumagott. „Dann auf ins Vergnügen.“ Als Seo zum Eingang laufen wollte, wurde er unsanft gebremst. Eine unsichtbare Barriere hielt ihn davon ab, das Gebäude zu betreten. Trotz mehrerer Versuche: Der Linkologe kam nicht einen Schritt weiter. „Verdorri noch mal, was ist denn hier los“, fluchte er und tastete sich langsam vor. Sein Blick schweifte von der Eingangshalle zu den Fenstern. Was er dort sah, ließ ihn kurz zurückschrecken. Im Foyer standen Dutzende Linkologen, ganz vorne der Sumagott, mit weit aufgerissenen Augen. Doch sie bewegten sich nicht. Sie waren starr wie Salzsäulen. Selbst der Mann, der gerade seinen Hähnchengrill aufgebaut hatte, wirkte wie eingefroren.

Seo Jones setzte sich auf eine der Bänke vor dem Grill. „Wenn man sich schon mal auf was freut.“ Da der Magen knurrte, schnappte er sich eines der halben Hähnchen. Nach dem zweiten Bissen hörte er ein Rattern und Knattern. Ein VW-Bus, mit allerlei Farben besprüht, rollte auf den Parkplatz. Sein Kumpel Fridaynite stieg aus, zusammen mit ihm Maler Maddin, der Linkkünstler, und die beiden Linkologenkollegen Eisy und Löwenherz. „Moin Seo, alles frisch“, hallte es quer über den Platz, „warum bist Du nicht im Hotel. Geht doch jetzt los.“ Der Professor kaute weiter und zeigte Richtung Hotel: „Dann versucht mal Euer Glück.“ Einer nach dem anderen prallte von der Barriere ab.

„Wollt Ihr auch einen halben Hahn?“, fragte Seo die vier Freunde. Eisy grinste: „Nee, nicht nötig. Haste Bomsen in der Tasche, haste immer was zu nasche.“ Der Linkexperte griff in seine Jackentasche und zog ein Kirschbonbon heraus. Da saßen sie nun, die fünf Profis. Fast eine Stunde lang diskutierten sie darüber, was passiert sein könnte. Erst ein Radfahrer lenkte sie ab. „Tach. Ich bin Jürgen von der Kippe, ist hier ein Seo?“, rief er den Männern zu. „Wer bist Du?“ Maddin dachte, sich verhört zu haben. „Der Jürgen von der Müllkippe. Ich habe hier einen Umschlag für einen Seo. Hat mir ein Typ in der Frittenbude in die Hand gedrückt. Und einen Fuffi dafür, dass ich den Brief hier abgebe.“ Seo nahm entgeistert den Umschlag und verabschiedete Jürgen. Der radelte glücklich davon, um das Geld in Ernas Liebeslaube auf den Kopf zu hauen.

Zurück blieben fünf ratlose Linkologen. Fridaynite kratzte sich am Kopf, Maler Maddin putzte zum x-ten Mal seine Brille, Eisy zerkaute das fünfte Bonbon und selbst der sonst dank Reiki tiefenentspannte Löwenherz hampelte herum. „Jetzt mach` das Ding schon auf.“ Seo öffnete den Brief. „LoLA“ stand dort in blauen Lettern, klein darunter „Loge der Link-Asketen“. Das Schreiben war direkt an Seo gerichtet: „Sehr geehrter Herr Jones, wenn Sie Ihre Freunde und Kollegen retten wollen, vernichten Sie alle Links. Erst wenn die Welt von diesem Übel befreit ist, schalten wir den Bannstrahl ab. Keine linken Touren, wir sehen alles.“ Löwenherz stand fassungslos da. Der Erste, der sich wieder fing, war Eisy. An Löwenherz gewandt sagt er, „Mund zu, Milchzähne werden sauer.“ Richtung Seo Jones stellte er die alles entscheidende Frage: „Was machen wir jetzt?“

Wieder wurde diskutiert. Alle wussten, dass der Wunsch von LoLA utopisch war. „Wenn die alles sehen, müssen die doch hier in der Nähe sein oder zumindest eine Kamera aufgebaut haben“, warf Friday in die Runde. Seine Idee: Die Gegend erkunden. „Fünf Freunde suchen LoLA“, scherzte Maddin, „dann auf in den Kampf.“ Die Linkologen zogen los. Schon nach wenigen Minuten entdeckte Eisy eine Webcam, machte den Rest der Gruppe aber erst einige Meter entfernt darauf aufmerksam. „Die beobachten uns über Kameras. Da drüben habe ich eine gesehen“, flüsterte er. Jeder mit einem Handy ausgestattet, trennten sich die fünf Männer.

„Das glaubt Ihr nicht“, meldete sich Löwenherz. Mit einem Fernstecher hockte er hinter einem großen Strauch und wartete auf Eisy, Seo, Fridaynite und Maddin. Als die Fünf komplett waren, deutete er auf einen Spielplatz. Dort saßen drei Jungs im Sandkasten. Vor sich aufgebaut mehrere Notebooks und eine riesige Satellitenschüssel. Durch das Fernglas sah Seo, dass auf den T-Shirts „LoLA“ stand. „Hier sind wir richtig. Gut gemacht, Löwenherz.“ Die Linkexperten überlegten, wie sie vorgehen sollten. Schließlich steuerten sie von allen Seiten auf den Sandkasten zu und überraschten die drei Mitglieder der Loge.

Seo staunte nicht schlecht, als die LoLAs ihre Mützen abnahmen. Mit gesenkten Häuptern saßen dort Findi, Ceilex und Twinga, drei ehemalige Kollegen. Sie hatten im vergangenen Jahr alles verloren, weil sie auf die falschen Links gesetzt haben. „So, so. Wir sollen also alle Links vernichten. Habt Ihr einen an der Klatsche?“ Maddin konnte sich kaum zurückhalten. Eisy musste ihn stoppen, sonst hätte der Linkkünstler den drei Asketen mit spitzer Feder mehr als nur einen Schnurrbart gemalt. „Schalt‘ das Ding ab.“ Seo Jones war äußerlich ruhig, innerlich kochte er. Findi tat, wie ihm geheißen. Die rote Leuchte an der Schüssel erlosch und die Notebooks fuhren herunter. Eingeschüchtert folgten die Linkhasser den Freunden zum Hotel. Dort standen bereits alle Teilnehmer, viele mit Fluppe in der Hand, und die Polizei. Der Sumagott war noch ein wenig blass um die Nase. Er klopfte Seo und Konsorten auf die Schultern: „Jungs, jetzt machen wir Party.“

What the fuck? Das ist nicht nur ein Teil des Liedtextes, genau das dachte ich auch, als ich das erste Mal über Alan Webbs Google Ranking Song gestolpert bin :)

Wer Alan Webb kennt, der kennt auch sein Faible fürs Karaoke-Singen. Nachdem Alan jetzt jahrelang seinen Kompagnon Uwe Tippmann und das übrige Abakus Team mit seiner Sangeskunst beglückt hat, versucht er nun diesen Erfolg auch ins weite Web hinaus zu tragen. Inhaltlich gesehen geht es um einen Seo-Spammmer, der glaubt einer Google Penalty zum Opfer gefallen zu sein, in Wirklichkeit aber einer Schlampereri seines Webmasters aufgesessen ist. Doch wozu erzählen, seht und hört einfach selber hinein. Der Webb Ranking Song ist zwar in Englisch, das sollte dem Verständnis aber keinen Abbruch tun ;-)

Normalerweise kümmerte es Seo Jones nicht, ob seine Studentinnen und Studenten die Vorlesungen besuchten. Doch heute war es irgendwie anders. Der Professor vermisste etwas. Diesen Blick voller Wissbegierde und dem faszinierenden Leuchten. „Was soll´s“, sagte er sich und ging durch die Bibliothek Richtung Büro. Dabei fiel ihm eine Studentin auf. Sie saß an einem der Schreibtische und starrte regungslos aus dem Fenster. Als der Linkologe ihre Augen sah, wusste er: Sie war es. Ihr Fehlen hatte ihn verunsichert.

Seo Jones setzte sich neben die Frau. „Sind meine Vorlesungen zu langweilig?“ Statt zu erschrecken, wie es der Professor erwartet hatte, drehte sich die Studentin langsam ihn seine Richtung. „Nein. Aber meine Dissertation schreibt sich nicht von selbst“, sagte sie und blickte weiter in den regenverhangenen Himmel. „Darf ich fragen, wer Sie sind und worüber sie schreiben?“ Der Linkologe war neugierig geworden. „Ich bin des Bischofs Franzi und möchte über die Geschlechtlichkeit von Links schreiben.“ Die junge Frau stocke. „Bislang werde ich aber von allen nur ausgelacht.“ Auch Seo Jones konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Sie meinen, Männlein und Weiblein bei Links? Kommen Sie mal mit, ich zeige ihnen etwas.“

In seinem Büro öffnete der Professor zwei Schränke. Hinter Glas standen Dutzende Links. „Groß, klein, dick, dünn, unscheinbar oder unsichtbar, gefährlich oder harmlos, farbig, alt, neu.“ Seo Jones zeigte auf seine Sammlung. „Dass Links ein Geschlecht haben, wäre mir neu. Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee?“ Die Hände auf dem Rücken verschränkt, schaute Franzi dem Dozenten tief in die Augen. „Weil noch niemand danach gefragt hat.“ Just in dem Moment kam Anna Lytics ins Büro. „Herr Professor, Ihre Limo.“ Wieder allein, setzte sich der Linkologe hin und sinnierte. „Links mit Möpsen. Das wär was.“

Ein paar Tage später, halb vier morgens. An der Haustür von Seo Jones wurde Sturm geklingelt. Der Professor mühte sich aus dem Bett und stapfte in seinem blauen Nikki-Schlafanzug die Treppe herunter. „Was soll das?“ Schlaftrunken erkannte er nach ein paar Sekunden, wen er vor sich hatte, Franzi, des Bischofs Tochter. Sie zitterte. „Ich habe eine Tür geöffnet“, stammelte sie. „Ja, ich auch. Meine, weil Sie geklingelt haben.“ Die junge Frau schüttelt den Kopf. „Sie verstehen nicht, ich habe eine Tür geöffnet. Eine Tür in eine andere Dimension.“ Jetzt war es wohl Seo Jones, der schaute wie eine Eisenbahn.

Vorbei an den „Stricken für Nacktmulle“-Plakaten der feministischen Liga rannten die beiden kurz darauf durch die Flure des Wohnheims. Als die Studentin die Zimmertür aufschloss, spürte Seo Jones einen Sog. „Zeigen Sie mir das Buch, von dem sie gesprochen haben.“ Die Studentin reichte ihm ein uraltes Werk, blätterte und deute auf eine der Seiten. „Diesen Spruch habe ich laut gelesen.“ Der Linkologe schaute sich den Text an, konnte ihn aber nicht ganz entziffern. „Hier geht es um die Quelle der Links, einen Mythos. Woher habe sie das Buch überhaupt?“ Viel Zeit blieb nicht, darüber zu diskutieren. Das Portal riss beide in sein Inneres.

„Schwarzmarkt“, schrie Franzi, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten, „ich habe das Buch auf dem Schwarzmarkt gekauft.“ Seo Jones drehte sich um. „Das ist, glaube ich, unser kleinstes Problem. Wo sind wir hier?“ Die Quelle der Links hatte sich der Professor anders vorgestellt. „Dazu müssen wir auch noch ein Stück gehen“, hörte Seo hinter sich. Ein alter Mann war wie aus dem Nichts aufgetaucht. „Folgt mir.“

Sie erreichten einen Berg. „Das letzte Stück geht alleine, hier entlang.“ Der Mann zeigte auf einen schmalen Weg und verschwand wieder. Franzi und Seo wagten den Aufstieg, der an einer Höhle endete. „Endlich, Professor Jones“, schallte es aus den Tiefen des Bergs. Die beiden liefen auf die Stimme zu und standen plötzlich in einer riesigen, lichtdurchfluteten Höhle. „Wir sind die Pagerankien, die Schicksalsgöttinnen der Links“, erklärten drei Frauen, die dort an einem steinernen Tisch saßen. Eine hielt eine Schere, die zweite einen Faden und die dritte Göttin würfelte mit Knochen. „Jeder Link erhält hier seine Seele.“ Franzi fing sich noch vor dem Professor: „Was machen wir hier?“ Die drei Frauen legten ihr Werkzeug beiseite. „Du hast das Portal geöffnet. Sage Du uns, was Dich und den Professor durch Raum und Zeit hierher führt.“

Franzi redete wie ein Wasserfall, über die Dissertation und die Frage, ob Links ein Geschlecht haben. Die Frauen nickten. „Jeder Link ist einzigartig, hat mal männliche, mal weibliche Charakterzüge.“ Als sich die Göttinnen Seo Jones zuwandten, änderte sich ihre Mine von freundlich in ernst. „Du glaubst nicht daran. Du würdest einen mächtigen Link nicht einmal erkennen, wenn er Dich anspringen würde.“ Die sanften Stimmen der Pagerankien waren einem Fauchen gewichen. „Du bist stolz darauf, den Panda wieder eingesperrt zu haben, ohne die Konsequenzen zu kennen. Die ganzen Suites, Online-Artikel, Expertos und Whoswhos missbrauchen die Links und berauben sie der Seele, die wir ihnen einhauchen. Sie müssen bestraft werden. Diese Aufgabe hatte von Anbeginn der Zeit der Panda.“ Der Professor verstand nicht. Die Pagerankien führten ihre Tirade unbeirrt fort: „Ihr habt Euch zum Werkzeug der chinesischen Linkmafia gemacht. Doch lasst Euch gesagt sein, es werden noch viele weitere Strafen folgen, um den Wert der Links wieder ins rechte Licht zu rücken.“

Als die Standpauke beendet war, wagte Seo Jones kaum zu sprechen. Doch die Neugierde überwog. „Was ist mit der Macht der Links?“ Die Göttinnen lächelten sanftmütig. „Jeder Link entwickelt sich seinem Schicksal entsprechend. Einige bleiben klein und ohne Gewicht, andere gewinnen an Stärke, die sie jederzeit wieder verlieren können.“ Die Links, die in den Büchern über Jahrtausende hinweg erwähnt werden, seien jene, deren Macht nie versiege, sondern nur gezielt zerstört werden könne, erklärten die Pagerankien. Es seien Links, auf die sich Experten und dunkle Gestalten stürzten, ohne das eigentliche Wesen zu erkennen. „Du pflanzt keinen Baum im Meer. Also nutze auch die Links nur so, wie es ihnen vorbestimmt ist. Abweichungen von der Ordnung führen zu Rissen im Universum. Der Panda hat das Gleichgewicht wieder hergestellt.“

Ungeduldig wartete Franzi, bis die Göttinnen fertig waren. „Doch woran erkenne ich nun, ob es ein männlicher oder ein weiblicher Link ist?“ Die Pagerankien waren amüsiert. „Du musst es spüren. Und jetzt geht, das Portal schließt sich wieder.“ Noch bevor die Studentin ein „aber“ einwerfen konnte, standen beide wieder im Wohnheim. Das Zimmer sah aus, als wäre ein Hurrikan hindurchgefegt. „Na, immerhin“, meinte Franzi, während Seo Jones sich gedankenverloren zurückzog. Sollte es möglich sein, dass der Panda keine Plage, sondern die Rettung vor dem Untergang war?

Ich hoffe ihr erinnert euch noch an Seo Jones und seine phantastischen Abenteuer. Ob er dem goldenen Link hinterher jagte oder dem verschwundenen Pagerank auf der Spur war, immer war eine Prise Humor und Phantasie mit von der Partie. Vor zwei Jahren gab es sogar eine extra Weihnachtsedition, die zudem noch ins Englische übersetzt wurde (Father Christmas). Danach wurde es etwas leiser um den berühmten Linkologen, seine Spur verlor sich im Bermuda Dreieck. Mit einem großen Paukenschlag kehrte er zurück und stellte sich dem Geist des Panda. Und jetzt, wenige Monate später, geht es in die nächte Runde.

Kurz vor Weihnachten möchte euch der Wortartist Andre Maßmann mit einer neuen Seo Jones Geschichte erfreuen. Ihr werdet es kaum glauben, aber die Geschichte ist schon fertig. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit. Die weibliche Hauptrolle ist noch zu besetzen. Zur Zeit schmückt ein Platzhalter jene Stellen, an der in Kürze der Name der Auserwählten erscheinen soll. Ich bitte daher um Wortmeldungen, welche Dame aus der Seo und Marketing Gesellschaft den Platz neben Seo Jones einnehmen soll. Bitte helft mit bei der Suche nach einer würdigen Begleiterin für Meister Jones. Neben Vorschlägen zur Person wären auch kreative Namensvorschläge hilfreich. Anna Lytics soll ja nicht die einzige weibliche Rolle in Seo Jones Leben spielen.

Noch eine Woche bis zum Ende des Jahresendseo Wettbewerbs, doch zuvor endet schon eine andere Aktion. Am Freitag läuft der erste große Bilder Seo-Wettbewerb mit dem zauberhaften Namen Simsalaseo aus und wir dürfen alle gespannt sein, wer mit welchem Bild und welcher Technik den Wettbewerb gewinnt. Selbst Seo Jones nimmt am Wettbewerb teil und versucht der Magie des Bilder-Seo auf die Schliche zu kommen. Noch verzaubern Seos die Serps der Suchmaschinen, doch bald wird der Zauber verlöschen und die Seo-Welt ein kleines Stückchen schlauer sein, was die Algorithmen der Bildersuchmaschinen angeht.

Simsalaseo

Momentaner Spitzenreiter in der Google Bildersuche ist Besserwerber Frank Herold, dem es gelungen ist Simsalaseo mit Content, Vernetzung & Zauberei ganz nach vorne in den Bilder-Listings zu bugsieren. Seine Strategie ist magisch wie merkwürdig zugleich, das von Frank verwendete Bild ist via Istockphoto erworben worden und damit rechtlich für jeden anderen Wettbewerbsteilnehmer und Unterstützer ziemlich heikel. Aus lizenzrechtlichen Gründen verbietet sich der Einsatz von Bildkopien und auch das Hotlinking der Bilder dürfte böse ins Auge gehen. Spannend, weil so auch Freunde und Sympathisanten besser die Finger von Franks Simsalaseo-Bild lassen.

Es ist wirklich eine tückische Sache mit den Bilderrechten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte malt oder schießt sein Bild/Foto selber. Natürlich kann man auch Bilder kaufen, und man glaubt es kaum, es wird jetzt sogar ein Simsalaseo Bild auf eBay zum Kauf angeboten. Auf Ideen kommen diese Seos :)

Auf geht’s zum Jahresendseo Contest von Randolf und der Telekom. Nachdem der OMClub schon in den Vorjahren mit Begriffen wie Befreiphone, Volksphone und reVierphone für große Unterhaltung in Googles Serps gesorgt hat, dreht sich der aktuelle Seo-Wettbewerb um das Keywort Jahresendseo.

Wo steckt der Jahresendseo?

Der JahresendSEO SEO-Contest 2011

Die Aufgabe ist einfach: Wer am 21. September 2011 um 22 Uhr für den Begriff Jahresendseo auf Platz 1 in den organischen Google Suchergebnissen steht, der gewinnt ein Apple iPad 2 mit Vollausstattung (3G und 64 GB).

Randolf und die Telekom Partnerwelt werden den Gewinner abends auf der Hurra.com OMClub Party ermitteln. Haut rein, ihr habt zwei Wochen Zeit um euch die Krone des Seo-Olymps zu verdienen. Das ist zwar nicht ganz bis zum Jahresende, aber das kümmert einen Seo doch nicht :)

Update: Wie schon Karl Kratz in seinem Jahresendseo-Beitrag aufgezeigt hat, die ganzen Jahresendseo Domains sind schon alle vergeben. Da hilft jetzt nur noch der Weg über exotische Länderkennungen oder eine Subdomain. Und ich bin fündig geworden, da liegt doch tatsächlich noch eine alte Jahresend-Seo Baustellen Seite auf dem Server herum. Ich glaube, die hatte Seo-Jones zu Zeiten der Panda-Krise aufgesetzt und dann vergessen.