Wenn Seo der Söldner, von seiner Wolke herabblickt, sieht er eine in vielerlei Hinsicht veränderte Welt. Das Reich von Königin Googela ist deutlich größer geworden, obwohl Nachbarn wie Fürst Bingo ihren Einfluss langsam ausbauen. Die Menschen fürchten nicht mehr Räuber mit Messern, sondern Diebe mit Laptops. Und seinen Nachfahren sind die Fußstapfen, die er einst voller Stolz hinterließ, längst zu klein geworden. Sie setzen neue, eigene Zeichen, die vom Wirbel der Zeit immer schneller in die Vergessenheit getragen werden.

sumago-truppe

„War das schön“, murmelt Seo. Mit Freude denkt er daran zurück, wie er Googela bezirzte und das Ranking der Dörfer verbesserte. Die Königin hielt ihre Karten zwar immer verdeckt, war seit jeher wankelmütig und ganz sicher nicht leicht zufriedenzustellen. Dafür ließ sich zumindest erahnen, welche Reaktionen auf einzelne Aktionen folgen würden. Mit bunten Bannern, positiven Erwähnungen und Wegweisern schaffte man es relativ zügig, in der Gunst Googelas aufzusteigen. Inzwischen entlocken solche Bemühungen der mächtigen Königin mitunter nur ein müdes Lächeln.

Zu seiner Ära hätte man angesichts der Algorithmen, die heute von geheimen Zirkeln in gut bewachten Kammern programmiert werden, von Zauberei gesprochen. Die Königin deshalb der Hexerei bezichtigen? Viel zu gefährlich, einst wie jetzt. Wer es wagt, die Hand zu heben oder sich den Gelüsten der Herrscherin zu verweigern, wird bestraft. Vom Sandkasten, der Seo ein Schaudern über den Rücken laufen ließ, hört man nur noch wenig. Doch erst ist noch da.

Umso gespannter beobachtet Seo die Bemühungen seiner Nachfolger. Kaum dreht Googela an einem neuen Rädchen oder legt einen weiteren Schalter um, müssen sie springen, damit ihre Arbeit nicht von der Maschinerie der Königin zerrissen wird. In der Stimme des Söldners schwingt Mitleid mit, wenn er leise murmelt: „Hartes Brot.“

Mit Tools und Tabellen, Technik und Trends kämpfen die Seos der Neuzeit um jeden Rang. Minimale Halbwertzeiten vieler Faktoren machen ihnen das Leben nicht gerade leichter. Das Rüstzeug eines guten Seo-Söldners wiegt daher längst schwerer als die Marschmontur eines Elitesoldaten. Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Die missfeldtsche Bildoptimierung, kratzige Marketingstrategien, einen Superhelden, der OnPage für Ordnung sorgt – oder wie man damals sagte, das Dorf sauber hält –, die aus Millionen Daten erbaute sistrixsche Kapelle, ein paar spitze Bleistifte und nach Möglichkeit Magentabletten und Baldrian.

Zu allem Überfluss, findet Seo, der Söldner, müssen sich die modernen Recken jetzt auch noch als Dompteure beweisen. Googela hat mit Panda und Pinguin gleich zwei extrem gefährliche Tiere ins Rennen geschickt. Sie zu bändigen, ohne gepickt und gebissen zu werden oder in einen großen Haufen Mist zu treten, hat so manches Dorf überfordert. „Was kommt wohl als nächstes“, überlegt Seo. Er tippt auf ein Zebra. Das entspräche dem schwarz-weißen Weltbild der Königin. Ob es wohl während der Dekade der White-Hats und Black-Hats geprägt wurde?. Wer weiß das schon.

Die Zukunft ist auch für Seo ein Mysterium. Hätte er eine Glaskugel, würde er den tapferen Helden von heute sein Wissen leise ins Ohr flüstern. So bleiben ihm auf seiner Wolke nur Gedankenspiele und die Erkenntnis: Wer nach oben möchte, darf sich nicht auf halber Strecke ausruhen und sollte auf dem Gipfel aufpassen, nicht von der nächsten Googela-Böhe zurück ins Tal geweht zu werden.


Anmerkung von Gerald: Diese Geschichte widme ich Marco Janck und seiner Sumago Truppe.

Seo Jones saß auf einer Bombe. Nach etlichen Monaten intensiver Arbeit hatte er das Gebrabbel de Stottersteine vom Starnberger See entschlüsselt. Das Quintett der Dauersummer zu vereinen war eine der Aufgaben, an denen sich schon sein Vater vergebens versucht hatte. 30 Jahre waren ins Land gegangen und mehrere Tausend Euro gezahlt worden, ehe es endlich klappte und alle fünf Steine im gut gesicherten Bunker der Universität lagen. Jetzt fehlte dem Professor für Linkologie nur das passende Publikum, um das Geheimnis zu enthüllen. Schließlich ging es um nicht mehr und nicht weniger als den Algorithmus des großes Geistes.

seo-jones-trilogie

In die Überlegung, welche Veranstaltung geeignet wäre, platzte seine Sekretärin Anna Lytics. „Professor, hier ist eine Einladung von einem gewissen Herrn Kratz zu 50 Leute und 100 Steaks.“ „Kohle oder Gas?“ „Wie?“ „Ich will wissen, ob die Kohlen zum Glühen bringen oder einfach nur den Gashahn aufdrehen.“ Die Stille hielt nicht lange. „Dann verbinde ich Sie eben mit dem Herrn“, sagte Anna Lytics. Als das Telefon klingelte, huschte ein Lächeln über das Gesicht von Seo Jones: „Na, Karl. Wessen Synapsen machst Du Feuer unterm Hintern?“ Die sonore Stimme am anderen Ende der Leitung klang nach einem breiten Grinsen. „Dir, Captain OnPage, Mediadonis und noch ein paar anderen Experten, die gutes Fleisch und ein Schwätzchen zu schätzen zu wissen.“ „Dann leg‘ mir mal die dicksten Steaks beiseite.“

Vier Wochen später, Seo Jones hatte sich bis dahin auf die Zunge beißen müssen, um nichts über den Algorithmus zu verraten, stand er im Grünen. Der Grill – sehr zur Freude des Professors mit weiß glühenden Kohlen bestückt – verbreitete einen himmlischen Duft. Die Liaison der Röstaromen von Fleisch und Gemüsespießen sorgte für gute Laune. Seo Jones plauderte mit Minivip, einigen Linkneulingen und hatte Karl Kratz ganz nebenbei angedeutet, was er entdeckt hatte. Dem Online-Marketender wäre dabei fast die Zange in den Grill und die Sonnenbrille von der Nase gefallen. „Ist nicht wahr.“ Mehr brachte er nicht raus.

Bis zum großen Moment verging noch ein wenig Zeit. Captain OnPage genoss sein viertes Würstchen. „Guck mal Papa, so viel Senf“, rief er seinem Ziehvater Mediadonis zu. Der stupste Seo Jones in die Rippen. „Die Kleinen werden so schnell groß.“ Länger währte die Unterhaltung nicht, weil Karl Kratz eine Kuhglocke schwang und zur Ruhe mahnte. „Seo Jones ist das Unglaubliche gelungen. Er kennt den Algorithmus des großen Geistes. Ihr seid die Ersten, die eingeweiht werden.“ Die Worte zeigten Wirkung. Ein Raunen ging durch die Menge, gefolgt von einem Aufschrei. Captain OnPage zitterte und fiel hin. Irinerl, eine seiner Bekannten, kniete sofort neben ihm. Doch der Superhero reagierte nicht. Auch Mediadonis eilte sofort zum Captain. „Ruft einen Krankenwagen. Wir bringen ihn zu Professor Mario Serpino.“

In der Praxis des Mediziners herrschte Totenstille. Mediadonis wischte sich schweigend eine Träne aus den Augen. Minivip, Karl Kratz, Seo Jones und der Spielkamerad von Captain OnPage, das kleine Serverlein, warteten schweigend auf Professor Serpino. „Meine Herren. Wir haben dem Patienten hoch konzentrierten Linkjuice gegeben, die Sichtbarkeit der Superkräfte um den Faktor 10.0 erhöht und beobachten im Sekundentakt die WDF*IDF-Kurve. Bislang ohne Erfolg.“ Der Ziehvater des Helden sackte in sich zusammen und musste von Seo Jones gestützt werden. „Da ist noch etwas“, sagte der Arzt, „die Augen von Captain OnPage sind schwarz.“ Der Experte bezeichnete das Phänomen als unerklärlich und ließ die Freunde mit ihren Gedanken zurück.

„Helft meinem Jungen.“ Mediadonis sprach die Bitte sehr leise aus. Seo Jones lotste die Gruppe in den Vorraum. „Karl, Du hängst Dich ans Telefon und fragst jeden, der Dir einfällt. Serverlein, Du bleibst hier und passt auf Mediadonis auf. Minivip fährt zur Grillparty und beruhigt die Gäste. Ich mache mich auf den Weg zur Bibliothek.“ Gesagt, getan. Dank seiner Kontakte war es für den Linkologen kein Problem, auch die Bücher zu durchforsten, die eigentlich niemand zu Gesicht bekommen durfte. Dunkle Kräfte hatten sich auf dem längst vergilbten Papier verewigt. Fündig wurde Seo Jones im 48. Buch. Die Handschrift aus einer Zeit, als Menschen die Links noch weit mehr verehrten, erklärte die schwarzen Augen als schwarzen Schlaf. Die Folge eines Fluchs, ausgesprochen von einem mächtigen Geist.

Diese Materie überstieg das Wissen des Linkologie-Professors. Rat wusste in dem Fall nur einer: Wu, ein kauziger alter Mann, der sich ganz der Geschichte der Geister und Dämonen verschrieben hatte. Einen Anruf konnte sich Seo Jones sparen. Technik war dem Greis ein Graus. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu fahren. Bis zum Kuriositätenladen des Mr. Wu waren es 75 Kilometer. Karl Kratz, der im Büro in Windeseile zu Seokratzes mutierte, war auch noch keinen Schritt weiter.

„Seo Jones, wieder mal auf der Suche nach alten Links“, begrüßte der Mann hinter der Theke den Professor. Der Blick von Mr. Wu war hellwach. „Nein. Wir haben ein Problem“. Seo Jones erzählte von den schwarzen Augen und dem schwarzen Schlaf. Wu, den sonst nicht einmal ein schreiender Unterwelt-Troll aus der Ruhe brachte, wirkte von Minute zu Minute nervöser. Die Ader an seiner Schläfe pochte. „Das ist böse“, sagte er. „Folge mir. Es wird Dir nicht gefallen, was Du hörst.

Der dunkle nur von schwarzen Kerzen beleuchtet Raum im Keller des Gebäudes roch nach Moder. Mr. Wu saß auf einem Holzstuhl und bat Seo Jones, sich ebenfalls zu setzen. „Du hast die Stottersteine und weißt, was sie sagen.“ Da Wu die Antwort kannte, fuhr er fort, ohne auf die Reaktion von Seo zu warten. „Die fünf Steine stehen in direkter Verbindung zum großen Geist, den die Menschen in grauer Vorzeit nur G nannten oder Gu. Die Stottersteine wiederholen seine Gedanken aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Knackt jemand dieses Chiffre, wird der große Geist böse.“

Seo Jones brauchte ein paar Minuten, um das Gesagte zu verarbeiten. „Aber warum ist Captain OnPage krank? Ich habe das Geheimnis gelöst. Das verstehe ich nicht.“ Wu stand auf und nahm einen Stapel Papiere aus einem Schrank. „Ich zeige es Dir.“ Auf einem der Blätter war eine Zeichnung. Eine Wolke, die Wu als Gu bezeichnete, aus der Pfeile auf menschliche Figuren prasseln, die auf einer Art Glücksrad liegen. „Der große Geist nimmt nicht immer den, der sein Geheimnis kennt. Es kann jeden treffen, mit dem man in Verbindung steht, und das unmittelbar, bevor der Code offenbart werden soll.“

Meist dauere es Tage, bis sich die Krankheit vollends ausbreite. Captain OnPage sei durch seine Superkräfte besonders anfällig. „Eines der Opfer aus der Geschichte kennst Du. Denn Du bist nicht der Einzige, der die Stottersteine zu verstehen vermag“, sprach Wu. „König Ludwig II. von Bayern war nicht gestört oder verrückt. Er kannte die Botschaft der Steine vom Starnberger See und ging lieber ins Wasser als im schwarzen Schlaf dahinzusiechen.“

Mitten im Gespräch klingelte das Handy von Seo Jones. Karl Kratz meldete sich, dass es Captain OnPage von Minute zu Minute schlechter gehe. „Gibt es eine Lösung?“, fragte der Professor den Geister-Experten. „Ja. Du musst die fünf Steine wieder trennen und Dein Wissen löschen.“ „Wie, mein Wissen löschen.“ Wu hob den Zeigefinger. „Eines nach dem anderen. Erst die Steine.“ Der Linkologe rief Anna Lytics an und bat sie, die Steine in fünf verschiedenen Seen zu versenken. Es dauert ein wenig, bis sie den Erfolg der Aktion per SMS meldete. Danach machte sich Wu ans Werk. Er rührte Kräuter und Tinkturen zusammen, schob übel riechende Lappen in die Nasenlöcher des Professor und führte ihn per Hypnose auf eine Reise ins Ich.

„Was mache ich hier?“ Seo Jones konnte sich nicht mehr erinnern, warum er im Laden von Mr. Wu saß und was er dort eigentlich vorhatte. „Die Welt retten, was sonst.“ Seo Jones verstand kein Wort, auch nicht die Bitte von Wu: „Du musst einfach nur rufen: Großer Geist, das Vergessen ist mit mir.“ Der Professor zögerte. „Mach einfach.“ Wu ließ keinen Zweifel daran, dass es sein voller Ernst ist. Seo Jones sprach die Worte und meinte, ein leichtes Beben zu verspüren. Der schrullige Mann grinste. „Mein Tee scheint zu stark für Dich zu sein. Du gehst besser“, sagte Wu und brachte den Professor vor die Tür.

Zurück bei der Grillparty, es war schon dunkel, fühlte sich Seo Jones wie nach einer Druckbetankung mit bestem Wodka. Karl Kratz informierte ihn, dass Captain OnPage auf dem Wege der Besserung sei. Die Mediziner hätten einen Panda-Pinguin-Infekt als Ursache ausgemacht. Morgen sei der Held wieder auf dem Damm. „Irgendwas hatten wir zwei doch vor. Wenn ich nur wüsste was. Seit der Boden hier gewackelt hat, sind meine Synapsen irgendwie gestört“, meinte Karl, biss ins Würstchen und ließ sich von seiner Frau ein kühles Bier bringen.

Die Bildrechte liegen, wie unschwer zu vermuten, beim großen Bilder Jedi Meister Martin Missfeldt.

Die Wange schmerzte. Sich beim Rasieren zu schneiden, war für Seo Jones immer ein schlechtes Zeichen. Doch diesen Gedanken schob der Linkologe beiseite. Er saß im Zug Richtung Berlin und sah aus dem Fenster. Die Landschaft rauschte an ihm vorbei, wie in einem surreal angehauchten Film. Dass die Link-Welt wenig später stillstehen würde, konnte er nicht ahnen.

Mit jeder Station stieg die Vorfreude auf die Campixx. Es war das erste Jahr, dass der Professor an der legendären Veranstaltung teilnahm. „Da können Sie endlich mal ausspannen“, hatte Anna Lytics ihm noch kurz vor der Abfahrt gesagt. Genau darauf freute sich der Mann, der den Panda gewissermaßen eingetütet hatte. Am Berliner Bahnhof schnappte er sich deshalb das erstbeste Taxi und ließ sich bis auf einen halben Kilometer zum Hotel kutschieren. Den Rest des Weges wollte er zu Fuß zurücklegen. Ein wenig frische Luft und etwas Bewegung waren nach der langen Fahrt genau das Richtige. „Das wird toll“, dachte Seo und legte einen Zahn zu.

Dabei hätte ihm auffallen müssen, dass es immer ruhiger wurde. Erst wenige Meter vor dem Tagungshotel stutzte Seo Jones. Nicht ein Linkologe stand vor der Tür. Es war totenstill. „Wo sind die alle? Bin ich zu spät?“ Der Professor sah auf seine Uhr. Ein paar Minuten noch bis zur Begrüßung durch den Sumagott. „Dann auf ins Vergnügen.“ Als Seo zum Eingang laufen wollte, wurde er unsanft gebremst. Eine unsichtbare Barriere hielt ihn davon ab, das Gebäude zu betreten. Trotz mehrerer Versuche: Der Linkologe kam nicht einen Schritt weiter. „Verdorri noch mal, was ist denn hier los“, fluchte er und tastete sich langsam vor. Sein Blick schweifte von der Eingangshalle zu den Fenstern. Was er dort sah, ließ ihn kurz zurückschrecken. Im Foyer standen Dutzende Linkologen, ganz vorne der Sumagott, mit weit aufgerissenen Augen. Doch sie bewegten sich nicht. Sie waren starr wie Salzsäulen. Selbst der Mann, der gerade seinen Hähnchengrill aufgebaut hatte, wirkte wie eingefroren.

Seo Jones setzte sich auf eine der Bänke vor dem Grill. „Wenn man sich schon mal auf was freut.“ Da der Magen knurrte, schnappte er sich eines der halben Hähnchen. Nach dem zweiten Bissen hörte er ein Rattern und Knattern. Ein VW-Bus, mit allerlei Farben besprüht, rollte auf den Parkplatz. Sein Kumpel Fridaynite stieg aus, zusammen mit ihm Maler Maddin, der Linkkünstler, und die beiden Linkologenkollegen Eisy und Löwenherz. „Moin Seo, alles frisch“, hallte es quer über den Platz, „warum bist Du nicht im Hotel. Geht doch jetzt los.“ Der Professor kaute weiter und zeigte Richtung Hotel: „Dann versucht mal Euer Glück.“ Einer nach dem anderen prallte von der Barriere ab.

„Wollt Ihr auch einen halben Hahn?“, fragte Seo die vier Freunde. Eisy grinste: „Nee, nicht nötig. Haste Bomsen in der Tasche, haste immer was zu nasche.“ Der Linkexperte griff in seine Jackentasche und zog ein Kirschbonbon heraus. Da saßen sie nun, die fünf Profis. Fast eine Stunde lang diskutierten sie darüber, was passiert sein könnte. Erst ein Radfahrer lenkte sie ab. „Tach. Ich bin Jürgen von der Kippe, ist hier ein Seo?“, rief er den Männern zu. „Wer bist Du?“ Maddin dachte, sich verhört zu haben. „Der Jürgen von der Müllkippe. Ich habe hier einen Umschlag für einen Seo. Hat mir ein Typ in der Frittenbude in die Hand gedrückt. Und einen Fuffi dafür, dass ich den Brief hier abgebe.“ Seo nahm entgeistert den Umschlag und verabschiedete Jürgen. Der radelte glücklich davon, um das Geld in Ernas Liebeslaube auf den Kopf zu hauen.

Zurück blieben fünf ratlose Linkologen. Fridaynite kratzte sich am Kopf, Maler Maddin putzte zum x-ten Mal seine Brille, Eisy zerkaute das fünfte Bonbon und selbst der sonst dank Reiki tiefenentspannte Löwenherz hampelte herum. „Jetzt mach` das Ding schon auf.“ Seo öffnete den Brief. „LoLA“ stand dort in blauen Lettern, klein darunter „Loge der Link-Asketen“. Das Schreiben war direkt an Seo gerichtet: „Sehr geehrter Herr Jones, wenn Sie Ihre Freunde und Kollegen retten wollen, vernichten Sie alle Links. Erst wenn die Welt von diesem Übel befreit ist, schalten wir den Bannstrahl ab. Keine linken Touren, wir sehen alles.“ Löwenherz stand fassungslos da. Der Erste, der sich wieder fing, war Eisy. An Löwenherz gewandt sagt er, „Mund zu, Milchzähne werden sauer.“ Richtung Seo Jones stellte er die alles entscheidende Frage: „Was machen wir jetzt?“

Wieder wurde diskutiert. Alle wussten, dass der Wunsch von LoLA utopisch war. „Wenn die alles sehen, müssen die doch hier in der Nähe sein oder zumindest eine Kamera aufgebaut haben“, warf Friday in die Runde. Seine Idee: Die Gegend erkunden. „Fünf Freunde suchen LoLA“, scherzte Maddin, „dann auf in den Kampf.“ Die Linkologen zogen los. Schon nach wenigen Minuten entdeckte Eisy eine Webcam, machte den Rest der Gruppe aber erst einige Meter entfernt darauf aufmerksam. „Die beobachten uns über Kameras. Da drüben habe ich eine gesehen“, flüsterte er. Jeder mit einem Handy ausgestattet, trennten sich die fünf Männer.

„Das glaubt Ihr nicht“, meldete sich Löwenherz. Mit einem Fernstecher hockte er hinter einem großen Strauch und wartete auf Eisy, Seo, Fridaynite und Maddin. Als die Fünf komplett waren, deutete er auf einen Spielplatz. Dort saßen drei Jungs im Sandkasten. Vor sich aufgebaut mehrere Notebooks und eine riesige Satellitenschüssel. Durch das Fernglas sah Seo, dass auf den T-Shirts „LoLA“ stand. „Hier sind wir richtig. Gut gemacht, Löwenherz.“ Die Linkexperten überlegten, wie sie vorgehen sollten. Schließlich steuerten sie von allen Seiten auf den Sandkasten zu und überraschten die drei Mitglieder der Loge.

Seo staunte nicht schlecht, als die LoLAs ihre Mützen abnahmen. Mit gesenkten Häuptern saßen dort Findi, Ceilex und Twinga, drei ehemalige Kollegen. Sie hatten im vergangenen Jahr alles verloren, weil sie auf die falschen Links gesetzt haben. „So, so. Wir sollen also alle Links vernichten. Habt Ihr einen an der Klatsche?“ Maddin konnte sich kaum zurückhalten. Eisy musste ihn stoppen, sonst hätte der Linkkünstler den drei Asketen mit spitzer Feder mehr als nur einen Schnurrbart gemalt. „Schalt‘ das Ding ab.“ Seo Jones war äußerlich ruhig, innerlich kochte er. Findi tat, wie ihm geheißen. Die rote Leuchte an der Schüssel erlosch und die Notebooks fuhren herunter. Eingeschüchtert folgten die Linkhasser den Freunden zum Hotel. Dort standen bereits alle Teilnehmer, viele mit Fluppe in der Hand, und die Polizei. Der Sumagott war noch ein wenig blass um die Nase. Er klopfte Seo und Konsorten auf die Schultern: „Jungs, jetzt machen wir Party.“

What the fuck? Das ist nicht nur ein Teil des Liedtextes, genau das dachte ich auch, als ich das erste Mal über Alan Webbs Google Ranking Song gestolpert bin 🙂

Wer Alan Webb kennt, der kennt auch sein Faible fürs Karaoke-Singen. Nachdem Alan jetzt jahrelang seinen Kompagnon Uwe Tippmann und das übrige Abakus Team mit seiner Sangeskunst beglückt hat, versucht er nun diesen Erfolg auch ins weite Web hinaus zu tragen. Inhaltlich gesehen geht es um einen Seo-Spammmer, der glaubt einer Google Penalty zum Opfer gefallen zu sein, in Wirklichkeit aber einer Schlampereri seines Webmasters aufgesessen ist. Doch wozu erzählen, seht und hört einfach selber hinein. Der Webb Ranking Song ist zwar in Englisch, das sollte dem Verständnis aber keinen Abbruch tun 😉

Normalerweise kümmerte es Seo Jones nicht, ob seine Studentinnen und Studenten die Vorlesungen besuchten. Doch heute war es irgendwie anders. Der Professor vermisste etwas. Diesen Blick voller Wissbegierde und dem faszinierenden Leuchten. „Was soll´s“, sagte er sich und ging durch die Bibliothek Richtung Büro. Dabei fiel ihm eine Studentin auf. Sie saß an einem der Schreibtische und starrte regungslos aus dem Fenster. Als der Linkologe ihre Augen sah, wusste er: Sie war es. Ihr Fehlen hatte ihn verunsichert.

Seo Jones setzte sich neben die Frau. „Sind meine Vorlesungen zu langweilig?“ Statt zu erschrecken, wie es der Professor erwartet hatte, drehte sich die Studentin langsam ihn seine Richtung. „Nein. Aber meine Dissertation schreibt sich nicht von selbst“, sagte sie und blickte weiter in den regenverhangenen Himmel. „Darf ich fragen, wer Sie sind und worüber sie schreiben?“ Der Linkologe war neugierig geworden. „Ich bin des Bischofs Franzi und möchte über die Geschlechtlichkeit von Links schreiben.“ Die junge Frau stocke. „Bislang werde ich aber von allen nur ausgelacht.“ Auch Seo Jones konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Sie meinen, Männlein und Weiblein bei Links? Kommen Sie mal mit, ich zeige ihnen etwas.“

In seinem Büro öffnete der Professor zwei Schränke. Hinter Glas standen Dutzende Links. „Groß, klein, dick, dünn, unscheinbar oder unsichtbar, gefährlich oder harmlos, farbig, alt, neu.“ Seo Jones zeigte auf seine Sammlung. „Dass Links ein Geschlecht haben, wäre mir neu. Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee?“ Die Hände auf dem Rücken verschränkt, schaute Franzi dem Dozenten tief in die Augen. „Weil noch niemand danach gefragt hat.“ Just in dem Moment kam Anna Lytics ins Büro. „Herr Professor, Ihre Limo.“ Wieder allein, setzte sich der Linkologe hin und sinnierte. „Links mit Möpsen. Das wär was.“

Ein paar Tage später, halb vier morgens. An der Haustür von Seo Jones wurde Sturm geklingelt. Der Professor mühte sich aus dem Bett und stapfte in seinem blauen Nikki-Schlafanzug die Treppe herunter. „Was soll das?“ Schlaftrunken erkannte er nach ein paar Sekunden, wen er vor sich hatte, Franzi, des Bischofs Tochter. Sie zitterte. „Ich habe eine Tür geöffnet“, stammelte sie. „Ja, ich auch. Meine, weil Sie geklingelt haben.“ Die junge Frau schüttelt den Kopf. „Sie verstehen nicht, ich habe eine Tür geöffnet. Eine Tür in eine andere Dimension.“ Jetzt war es wohl Seo Jones, der schaute wie eine Eisenbahn.

Vorbei an den „Stricken für Nacktmulle“-Plakaten der feministischen Liga rannten die beiden kurz darauf durch die Flure des Wohnheims. Als die Studentin die Zimmertür aufschloss, spürte Seo Jones einen Sog. „Zeigen Sie mir das Buch, von dem sie gesprochen haben.“ Die Studentin reichte ihm ein uraltes Werk, blätterte und deute auf eine der Seiten. „Diesen Spruch habe ich laut gelesen.“ Der Linkologe schaute sich den Text an, konnte ihn aber nicht ganz entziffern. „Hier geht es um die Quelle der Links, einen Mythos. Woher habe sie das Buch überhaupt?“ Viel Zeit blieb nicht, darüber zu diskutieren. Das Portal riss beide in sein Inneres.

„Schwarzmarkt“, schrie Franzi, als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten, „ich habe das Buch auf dem Schwarzmarkt gekauft.“ Seo Jones drehte sich um. „Das ist, glaube ich, unser kleinstes Problem. Wo sind wir hier?“ Die Quelle der Links hatte sich der Professor anders vorgestellt. „Dazu müssen wir auch noch ein Stück gehen“, hörte Seo hinter sich. Ein alter Mann war wie aus dem Nichts aufgetaucht. „Folgt mir.“

Sie erreichten einen Berg. „Das letzte Stück geht alleine, hier entlang.“ Der Mann zeigte auf einen schmalen Weg und verschwand wieder. Franzi und Seo wagten den Aufstieg, der an einer Höhle endete. „Endlich, Professor Jones“, schallte es aus den Tiefen des Bergs. Die beiden liefen auf die Stimme zu und standen plötzlich in einer riesigen, lichtdurchfluteten Höhle. „Wir sind die Pagerankien, die Schicksalsgöttinnen der Links“, erklärten drei Frauen, die dort an einem steinernen Tisch saßen. Eine hielt eine Schere, die zweite einen Faden und die dritte Göttin würfelte mit Knochen. „Jeder Link erhält hier seine Seele.“ Franzi fing sich noch vor dem Professor: „Was machen wir hier?“ Die drei Frauen legten ihr Werkzeug beiseite. „Du hast das Portal geöffnet. Sage Du uns, was Dich und den Professor durch Raum und Zeit hierher führt.“

Franzi redete wie ein Wasserfall, über die Dissertation und die Frage, ob Links ein Geschlecht haben. Die Frauen nickten. „Jeder Link ist einzigartig, hat mal männliche, mal weibliche Charakterzüge.“ Als sich die Göttinnen Seo Jones zuwandten, änderte sich ihre Mine von freundlich in ernst. „Du glaubst nicht daran. Du würdest einen mächtigen Link nicht einmal erkennen, wenn er Dich anspringen würde.“ Die sanften Stimmen der Pagerankien waren einem Fauchen gewichen. „Du bist stolz darauf, den Panda wieder eingesperrt zu haben, ohne die Konsequenzen zu kennen. Die ganzen Suites, Online-Artikel, Expertos und Whoswhos missbrauchen die Links und berauben sie der Seele, die wir ihnen einhauchen. Sie müssen bestraft werden. Diese Aufgabe hatte von Anbeginn der Zeit der Panda.“ Der Professor verstand nicht. Die Pagerankien führten ihre Tirade unbeirrt fort: „Ihr habt Euch zum Werkzeug der chinesischen Linkmafia gemacht. Doch lasst Euch gesagt sein, es werden noch viele weitere Strafen folgen, um den Wert der Links wieder ins rechte Licht zu rücken.“

Als die Standpauke beendet war, wagte Seo Jones kaum zu sprechen. Doch die Neugierde überwog. „Was ist mit der Macht der Links?“ Die Göttinnen lächelten sanftmütig. „Jeder Link entwickelt sich seinem Schicksal entsprechend. Einige bleiben klein und ohne Gewicht, andere gewinnen an Stärke, die sie jederzeit wieder verlieren können.“ Die Links, die in den Büchern über Jahrtausende hinweg erwähnt werden, seien jene, deren Macht nie versiege, sondern nur gezielt zerstört werden könne, erklärten die Pagerankien. Es seien Links, auf die sich Experten und dunkle Gestalten stürzten, ohne das eigentliche Wesen zu erkennen. „Du pflanzt keinen Baum im Meer. Also nutze auch die Links nur so, wie es ihnen vorbestimmt ist. Abweichungen von der Ordnung führen zu Rissen im Universum. Der Panda hat das Gleichgewicht wieder hergestellt.“

Ungeduldig wartete Franzi, bis die Göttinnen fertig waren. „Doch woran erkenne ich nun, ob es ein männlicher oder ein weiblicher Link ist?“ Die Pagerankien waren amüsiert. „Du musst es spüren. Und jetzt geht, das Portal schließt sich wieder.“ Noch bevor die Studentin ein „aber“ einwerfen konnte, standen beide wieder im Wohnheim. Das Zimmer sah aus, als wäre ein Hurrikan hindurchgefegt. „Na, immerhin“, meinte Franzi, während Seo Jones sich gedankenverloren zurückzog. Sollte es möglich sein, dass der Panda keine Plage, sondern die Rettung vor dem Untergang war?

Ich hoffe ihr erinnert euch noch an Seo Jones und seine phantastischen Abenteuer. Ob er dem goldenen Link hinterher jagte oder dem verschwundenen Pagerank auf der Spur war, immer war eine Prise Humor und Phantasie mit von der Partie. Vor zwei Jahren gab es sogar eine extra Weihnachtsedition, die zudem noch ins Englische übersetzt wurde (Father Christmas). Danach wurde es etwas leiser um den berühmten Linkologen, seine Spur verlor sich im Bermuda Dreieck. Mit einem großen Paukenschlag kehrte er zurück und stellte sich dem Geist des Panda. Und jetzt, wenige Monate später, geht es in die nächte Runde.

Kurz vor Weihnachten möchte euch der Wortartist Andre Maßmann mit einer neuen Seo Jones Geschichte erfreuen. Ihr werdet es kaum glauben, aber die Geschichte ist schon fertig. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit. Die weibliche Hauptrolle ist noch zu besetzen. Zur Zeit schmückt ein Platzhalter jene Stellen, an der in Kürze der Name der Auserwählten erscheinen soll. Ich bitte daher um Wortmeldungen, welche Dame aus der Seo und Marketing Gesellschaft den Platz neben Seo Jones einnehmen soll. Bitte helft mit bei der Suche nach einer würdigen Begleiterin für Meister Jones. Neben Vorschlägen zur Person wären auch kreative Namensvorschläge hilfreich. Anna Lytics soll ja nicht die einzige weibliche Rolle in Seo Jones Leben spielen.

Noch eine Woche bis zum Ende des Jahresendseo Wettbewerbs, doch zuvor endet schon eine andere Aktion. Am Freitag läuft der erste große Bilder Seo-Wettbewerb mit dem zauberhaften Namen Simsalaseo aus und wir dürfen alle gespannt sein, wer mit welchem Bild und welcher Technik den Wettbewerb gewinnt. Selbst Seo Jones nimmt am Wettbewerb teil und versucht der Magie des Bilder-Seo auf die Schliche zu kommen. Noch verzaubern Seos die Serps der Suchmaschinen, doch bald wird der Zauber verlöschen und die Seo-Welt ein kleines Stückchen schlauer sein, was die Algorithmen der Bildersuchmaschinen angeht.

Simsalaseo

Momentaner Spitzenreiter in der Google Bildersuche ist Besserwerber Frank Herold, dem es gelungen ist Simsalaseo mit Content, Vernetzung & Zauberei ganz nach vorne in den Bilder-Listings zu bugsieren. Seine Strategie ist magisch wie merkwürdig zugleich, das von Frank verwendete Bild ist via Istockphoto erworben worden und damit rechtlich für jeden anderen Wettbewerbsteilnehmer und Unterstützer ziemlich heikel. Aus lizenzrechtlichen Gründen verbietet sich der Einsatz von Bildkopien und auch das Hotlinking der Bilder dürfte böse ins Auge gehen. Spannend, weil so auch Freunde und Sympathisanten besser die Finger von Franks Simsalaseo-Bild lassen.

Es ist wirklich eine tückische Sache mit den Bilderrechten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte malt oder schießt sein Bild/Foto selber. Natürlich kann man auch Bilder kaufen, und man glaubt es kaum, es wird jetzt sogar ein Simsalaseo Bild auf eBay zum Kauf angeboten. Auf Ideen kommen diese Seos 🙂

Auf geht’s zum Jahresendseo Contest von Randolf und der Telekom. Nachdem der OMClub schon in den Vorjahren mit Begriffen wie Befreiphone, Volksphone und reVierphone für große Unterhaltung in Googles Serps gesorgt hat, dreht sich der aktuelle Seo-Wettbewerb um das Keywort Jahresendseo.

Wo steckt der Jahresendseo?

Der JahresendSEO SEO-Contest 2011

Die Aufgabe ist einfach: Wer am 21. September 2011 um 22 Uhr für den Begriff Jahresendseo auf Platz 1 in den organischen Google Suchergebnissen steht, der gewinnt ein Apple iPad 2 mit Vollausstattung (3G und 64 GB).

Randolf und die Telekom Partnerwelt werden den Gewinner abends auf der Hurra.com OMClub Party ermitteln. Haut rein, ihr habt zwei Wochen Zeit um euch die Krone des Seo-Olymps zu verdienen. Das ist zwar nicht ganz bis zum Jahresende, aber das kümmert einen Seo doch nicht 🙂

Update: Wie schon Karl Kratz in seinem Jahresendseo-Beitrag aufgezeigt hat, die ganzen Jahresendseo Domains sind schon alle vergeben. Da hilft jetzt nur noch der Weg über exotische Länderkennungen oder eine Subdomain. Und ich bin fündig geworden, da liegt doch tatsächlich noch eine alte Jahresend-Seo Baustellen Seite auf dem Server herum. Ich glaube, die hatte Seo-Jones zu Zeiten der Panda-Krise aufgesetzt und dann vergessen.

Ein uraltes asiatisches Märchen erzählt von einem riesigen, Unheil und Chaos verbreitenden Pandabären. Überall, wo er auftaucht, stampft er die großen Con-Tent-Farmen in Grund und Boden. Die kleinen Bauern und Krämer hingegen lässt er in Ruhe. Hat sich der Staub nach einem der Angriffe gelegt, steht in blutroten Schriftzeichen das Wort Qua-Li-Taet auf dem Boden. Die Menschen halten es für einen Mythos, wie den Monddrachen oder das Einhorn. Nur wenige wissen es besser….

Seo Jones blickte aus dem Fenster seines Büros. Sechs Wochen war er nach seinem letzten Abenteuer auf hoher See umhergeirrt. Während der Odyssee hatte er Friday aus dem Wasser gefischt. Ein cleveres Kerlchen, das von Black-Hat-Piraten auf einem klapprigen Floß ausgesetzt worden war. Den richtigen Namen des jungen Mannes hatte der Linkologe trotz seiner Sprachkenntnisse nie verstanden. So taufte er ihn nach dem Wochentag Freitag, fand dann aber, das Friday irgendwie besser klang.

Die beiden saßen nun am Schreibtisch. Seo öffnete erst die überquellende Pressebox, anschließend seine langsam kollabierenden Web-News. Beides strotze nur so vor Nichtigkeiten. Er blätterte gelangweilt durch die miesen Online-Artikel. Dabei fiel ihm immer wieder der Begriff Panda auf. Innerhalb weniger Tage soll ein Problembär eine ganze Industrie auf den Kopf gestellt haben. Der Professor wollte mehr wissen und rief über den schwächelnden Tec-Channel Nachrichtenvideos der vergangenen Wochen auf. „Ein Irrsinn, das Vieh tauchte hier auf und jetzt sind wir wieder ganz unten“, schrie ein Mann in das Mikro der Reporterin. Andere sprachen von einem großen Bären mit schwarzem Kopf und komischen Zeichen an den Wänden. „Das erinnert mich an ein Märchen, das mir weise Männer in einem Bergdorf erzählt haben“, sagte Seo Jones zu Friday.

Die beiden machten sich auf in die Bibliothek. In der Abteilung für asiatische Geschichte und Mythologie wurden sie fündig. Seo Jones las Friday das Märchen vom Pandabären vor. „Flix noch mal, das klingt nach dem Bären aus den Nachrichten“, meinte Friday. „Das heißt verflixt“, verbesserte ihn Seo Jones, stimmte aber zu. Nachdem die beiden zwei Stunden im Archiv der Universität gesucht hatten, schnappte sich der Linkologe sein Handy und wählte eine Nummer. „Cosmiq, was weißt über das Märchen vom Panda.“ Die Frage war an einen alten Chinesen gerichtet, der hin und wieder mit nicht ganz astreinen Links handelt. Am anderen Ende der Leitung herrschte eisiges Schweigen. „Komm schon, oder muss ich Dir erst Deinen Schrott um die Ohren hauen“, sagte Jones. „O.k., aber ich darf Dir wirklich nicht mehr verraten: das große Go“, flüsterte der Informant und legte auf.

„Das große Go, das große Go“, wiederholte Seo Jones und machte sich auf die Suche. Die Ausbeute war mager. Nur ein Hinweis auf zehn Ritter, die einen Geist bewachen. Zu erkennen seien sie an einer Tätowierung auf dem Handrücken, die wie ein G aussehen soll. Schade nur, dass die Information 900 Jahre alt ist. „Wir müssen nach Amerika und uns dort ein Bild machen“, sagte der Linkologe und schnappte sich Friday. „Müsst Ihr nicht.“ Das war Anna Lytics. „Guckt Euch die Nachrichten an.“ Die Männer liefen zum nächsten PC-Monitor. „Indeed, jetzt ist der Bär auch hier.“ Friday schauderte bei dem Gedanken. Seo Jones hingegen packte die Abenteuerlust.

Der Professor steckte ein paar seiner Links in die ausgebeulte Schultertasche, setzte sich seinen Hut auf und fuhr mit Friday in jene Stadt, aus der die Meldung vom Problembären kam. Schon auf der Autobahn bemerkten sie das Chaos. Die Menschen flüchteten. Die Straßen waren völlig verstopft. In die Stadt wollte niemand – bis auf die beiden Männer. Sie parkten im leicht heruntergekommen Eurip-Haus. Von dort aus machten sie sich auf den Weg in die Ladenzeile in der Onlinestreet, das Paradies für Billigheimer. „123 People vor einem Geschäft“, wunderte sich Friday. Sie fragten einen der Männer, was der Menschenauflauf soll, und hörten nur Cat-Suite101. „Dieser Anzug schützt Dich vor dem Bären. Der hat Angst vor Katzen, sagt man.“ Seo Jones und Friday sahen sich an. Ihre Antwort fiel eher knapp aus: „Ciao ciao.“ „Hast Du da hinten den weinerlichen Geizkragen gesehen und den komischen Yopi. Die haben doch alle einen an der Waffel“, lachte Friday. „Erstens heißt das Yuppie und zweitens verändern sich Menschen in Extremsituationen.“ Der Experte für Linkologie wollte schon weitergehen, da sah er sie. Drei Gestalten, die vor dem Parkhaus standen.

Schon von Weitem erkannte Seo Jones die g-förmigen Tätowierungen. „Guten Tag, Herr Jones. Wir müssen mit Ihnen sprechen, alleine.“ Das klang eher nach einer Forderung. Friday verstand. „Ich bin dann mal in der Frittenbude da drüben. Vielleicht haben die einen kalten Hotfrog.“ Seo sah ihm hinterher, dann platzte es aus ihm heraus: „Warum habt ihr den Bären freigelassen?“ Die Ritter blieben gelassen und erzählten: „Wir folgen ausschließlich der Prophezeiung. Seit Anbeginn der Zeit sind wir die Hüter des Geistes der Ordnung. Einst haben wir ihn im goldenen Gefäß eingeschlossen und seither bewacht. Als der Ruf des grünen Vogels den Mond verdunkelte, öffnete sich der Käfig und der Geist des Pandas entfloh. Jetzt müssen wir ihn wieder in das Gefäß locken. Doch unser Helpster schwächelt. Deshalb brauchen wir Sie, einen Mann, der die Macht der Links kennt.“ Seo Jones lauschte gebannt der Prophezeiung und machte sich mit den Rittern auf den Weg.

Auf einem Acker außerhalb der Stadt sollte sich die Weissagung erfüllen. Die Ritter des Go stellten das Gefäß in ein kreisrundes Erdloch. Aufgabe des Professors war es, mit den mächtigsten Links seiner Sammlung ein altes Page-Rank-Muster zu gestalten. Als der Mond die unheimliche Szenerie beleuchtete, begann die Luft zu vibrieren. Die Ritter standen ganz still, während Seo und Friday alle Himmelsrichtungen absuchten. Ein kühler Luftzug ließ sie erschauern. Dort stand er, der Geist des Pandas. „Was war, wird nicht mehr sein. Was ist, wird zu Staub.“ Mit diesen Sätzen löste sich die Gestalt auf und verschwand im Gefäß. Das letzte Wort, das Seo Jones vernahm: „Qua-Li-Taet.“

Fortsetzung. Tag 1 der Seo Campixx 2011. Nach dem Warm-Up ist vor dem Event. Am nächsten Morgen bedurfte es einer gewissen Kraftanstrengung um Morpheus Armen zu entfleuchen: Aufstehen, Frühstück, Campixx-Begrüßung – und dann gings ab – total tolle Trommelwirbel-Tornados traumatisierten tierisch tolerante Tonträger.

Total toll trommelnde SEOs from Gerald Steffens on Vimeo.

Massen an Seos trommeln für den Regenwald. Die Seo-Campixx 2011 war eröffnet.

Vom Spirit getrieben, gings zuerst in die Pause und danach ans Eingemachte. Als Beleg hier noch ein Foto von Tobias “Noki” Schwarz, das zeigen soll wie sich morgendliches Trommeln auf die Mentalität von Seos auswirken kann.

Die Workshop-Rallye ward eröffnet. Hunderte von Seos strömten durch die Gänge des Müggelsee-Hotels, um in gebrandeten Räumen mit Namen wie Superclix, Searchmetrix, Sistrix oder Brandenburg nach dem Workshop ihres Vertrauens oder Interesses zu suchen. Gefühlt waren das Tausend Workshops, die da auf der Agenda standen 😉

Damit hatte man die Qual der Wahl, welcher Veranstaltung man den Vorzug geben wollte. Bis zu 12 parallele Sessions waren dann auch für mich als rasender Fotoreporter zu viel des Guten. Wo ich in den Vorjahren noch von Raum zu Raum geeilt bin, um einen möglichst vollständigen Abzug aller Workshops zu bekommen, habe ich es in diesem Jahr bei eingen sporadischen Besuchen belassen. Das hatte zudem den Vorteil, dass ich endlich auch mal etwas mehr von den Inhalten mitbekommen habe 🙂

Und so fiel meine Wahl zu Beginn auf Sistrix und seine Anatomie eines Linkbaits und Fabian Brüssel mit seiner Clickfraud 101 Vorstellung. Beide Workshops waren gut besucht, was bei Johannes am Namen und bei Fabian am Reiz des Verbotenen gelegen haben dürfte 😉 Auch ich bin dem Reiz des Verbotenen erlegen und habe so den größten Teil von Fabians Workshop als Zuschauer verfolgt. Schon großes Kino, was Meister Cyb da aus seinem Hut gezaubert hat. Besucher Virtualisierung auf höchstem Niveau.

Und weiter gings. Ab in die Pause, Smalltalk mit diversen Dschungel-Helden und dann auf zur nächsten Session-Runde. Diesmal führte mich mein Weg als erstes zur Duplicate Content Veranstaltung von Valentin Pletzer, der Interessantes zu doppelten Inhalten zu berichten wusste,

dessen Session ich aber leider etwas später verlassen musste, um einen neugierigen Blick auf Seouxindianer Benjamin Wingerters Workshop-Debüt zu werfen, bei dem es darum ging, fremde Satellitenseiten zu erkennen & eigene zu schützen.

Ein wirklich gelungener und unterhaltsamer Vortrag, ähnlich wie schon bei Fabian Brüssel wurde eine Vielzahl an Aspekten aufgezeigt, die man beachten sollte, wenn man nicht bei Google oder der Konkurrenz auffallen möchte. War natürlich klar, ein (Seoux-)Indianer hinterlässt keine Spuren und schleicht sich lautlos an die Suchmaschinen an 🙂

Mittagspause. Nach dem Gehirn musste jetzt endlich auch der Magen versorgt werden. Mir hats gut geschmeckt, also kein Grund zum klagen wie in früheren Campixx Jahren, wo sich meine Begeisterung etwas in Grenzen hielt.

Dank des schönen Wetters konnte man in diesem Jahr das erste Mal sein Essen und den Mittagsplausch auch draußen an der frischen Luft genießen.

Nach der Mittagspause musste ich mich beeilen, um den Regenwald zu retten. Mario Göttsche und Jens Brechmann hatten am Hoteleingang zum Workshop “Biertrinken für den Regenwald” geladen, dieser lobenswerten Aktion konnte ich mich natürlich als grün angehauchter Weltverbesser nicht entziehen.

Leider habe ich erst hier erfahren, dass Mario aufgrund eines unverhofften Befalls seines Magen-Darm Traktes gar nicht erst angereist war und so musste Jens ganz alleine diesen Workshop leiten, was ihm natürlich mit Bravur gelungen ist. Dennoch schade, das Fehlen von Mario hat den Regenwald sicherlich große Waldgebiete gekostet. Und während die meisten von uns noch draußen für den Regenwald kämpften, machte ich einen kurzen Abstecher zu Seoprogrammierer Fabian Rossbachers openseodata Vortrag, um einen Blick auf den Stand der Dinge beim ersten OpenSource Seo Projekt zu werfen.

Gerade als ich den Raum verlassen wollte, kam dann die Promnynenz in netter Begleitung dazu.

Während also die meisten Seos fleißig Vorträge hielten oder als Zuhörer den Sessions beiwohnten, war der Veranstalter bislang kaum in Erscheinung getreten. Ein klarer Fall für “Seo.de Investigativ”, ich machte mich auf die Pirsch, um dem Seonauten auf die Schliche zu kommen. Kaum zu glauben, auf was ich dabei gestoßen bin. Wir alle schufteten wie die Blöden um unser Wissen zu verteilen oder zu vermehren und Marco der Hallodrie saß da gemütlich am Empfang auf dem Sofa und machte sich an blonde Frauen ran.

Das war natürlich ein starkes Stück, danach habe ich rot gesehen. Die schmerzlich vermissten SEO Campixx Tshirts waren doch noch eingetrudelt. Marco hatte zwischenzeitlich schon das Schlimmste befürchtet. Glück gehabt.

Ich muss gestehen, ich war schon ein wenig verwundert über die rote Farbe. Mit Dschungel und Regenwald assoziiere ich eigentlich ganz andere Farben. Grün zum Beispiel. Was Marco sich dabei gedacht hat, das hat sich mir bis heute noch nicht erschlossen 🙂

Nach diesem Intermezzo gings dann weiter in die nächste Workshop-Runde. Sepita Ansari referrierte über Linkfaktoren 2011 bzw gute und auch böse Links. Hat mir gut gefallen, was unser persischer Agnostiker da so von sich gegeben hat.

Was ist der Unterschied zwischen einem Atheisten und einem Agnostiker? Ein Agnostiker ist ein Atheist, der Angst davor hat, dass Gott stinksauer sein wird, wenn er Unrecht hat.

Nach diesem ketzerischen Einschub, den nur Insider verstehen werden, habe ich erst einmal den Rückzug angetreten und eine Stunde pausiert. Auf gut Deutsch, ich habe mich für eine Stunde aufs Ohr gehauen 🙂 Frisch gestärkt gings dann gegen 17.00 Uhr Richtung Raum Superclix, wo mit “Wer wird Seonär” das Session-Highlight des Abends auf mich warten sollte.

Florian Stelzner und Gero Wenderholm führten Kandidaten und Publikum durch ein unterhaltsames Quiz-Programm, bei dem einerseits die Kandidaten mehr oder minder schwierige Seo-Fragen beantworten mussten um einige attraktive Preise zu gewinnen, andererseits die im Vorfeld eingesammelten Spenden an den Verein “Rettet den Regenwald” überreicht werden sollten.

Immerhin 1451 € sind an Spenden gesammelt worden, ein netter Scheck den Tobias Heiny für den Regenwald entgegen nehmen konnte. Und eine schöne Aktion, die Florian, Gero und die TRG da auf die Beine gestellt haben. Und während die einen ihren Preis schon abgeholt haben, muss ein anderer noch auf seinen Hauptgewinn warten. Marcus Meurer wird von Martin Mißfeldt portraitiert.

Zeit fürs Abendessen. Das obligatorische Schlangestehen am Hähnchen-Grill war angesagt.

Dank des frühlinghaften Wetters konnte man es sich sogar draußen noch gemütlich machen.

So langsam kam die Dämmerung und die meisten Seos zog es wieder ins Warme. Im Raum Superclix konnten sich wagemutige Seos am Surf-Simulator versuchen oder vehement auf einen Fußball eintreten, die anderen konnten sich mit der XBOX Kinetic vergnügen oder gemütlich an der Bar ihren Cocktail ausschlürfen.

Gero Wenderholm ist nicht zu bremsen. Eben noch Moderator beim Seonär und jetzt schon wieder mit voller Power am Ballautomaten.

Am Surf-Simulator wurde dem Publikum halsbrecherische Akrobatik auf höchstem Niveau geboten. Einen guten Seo schmeisst schliesslich nichts um 😉


Beim Anblick dieses aufs Surfbrett abgetauchten Seos muss ich unwillkürlich an den Begriff Seo-Diver denken 🙂

Doch noch ein Seo ist an diesem Abend abgetaucht, Frank Doerr wurde von Thomas Promny regelrecht in die Knie gezwungen, bei seinem Versuch dem wandelnden Aufkleber-Irrwisch auszuweichen. Frank verlor den Kampf, was wieder mal zeigt, selbst mit einem Löwenherz ist man gegen Seos und Drücker ziemlich chancenlos.

Nette Gespräche durfte ich mit Frank Geldschläger und Anwar Ayad.führen.

david-reisner birthe-stuijts David Reisner und Birthe Stuijts. Die gute Birthe sorgte für eines der farblichen Highlights auf der Seo Campixx 2011 🙂

Gegen 22.15 Uhr kam dann Leben in die Bude, die United Four betraten die Bühne und rockten die Campixx.

Last but not least ein Video das Hundert Seos zeigt, wie sie auf den Knien im Takt der Musik mitgehen und zusammen mit den United Four die Location rockten. Der Ton ist leider etwas schrebbelig, bei der zelebrierten Lautstärke aber kein Wunder. Das Bild entschädigt aber für alles andere, so abgefahren sieht man Seos selten abrocken.

United Four und 100+ Seos auf den Knien from Gerald Steffens on Vimeo.

Ansonsten war’s das mit dem Seo-Campixx 2011 Recap vom ersten Konferenz-Tag.