Twitter Freud und Leid oder die blitzschnelle Pubkonferenz

Januar 8, 2010 by Gerald Steffens  
Filed under Events, Lästerecke

Eigentlich bin ich immer noch kein großer Freund von Twitter. Das auf 140 Zeichen reduzierte Microblogging System mit rudimentären Features und wenig Komfort hat sich aber dummerweise zu einem echten Platzhirsch entwickelt und zwingt einen dadurch, sich mit dem Dienst zu beschäftigen. Auf jeden Fall ist Twitter ein Zeitfresser, lockt einen ein ums andere mal über irgendwelche Short-Urls hinaus ins WWW und hält einen so von der Arbeit ab ;-)

Die Meldungen die da durchs Internet strömen sind bisweilen von fragwürdiger Qualität. Ok, eine gewisse Mitschuld hat man auch selber durch die Wahl der Personen, denen man folgt. Auf der anderen Seite rauschen dort aber auch wichtige und spannende Informationen mit einer noch nie da gewesenen Taktrate an einem vorbei und führen mancherorts zu erschreckenden Beschleunigungen von Prozessen. Ein schönes Beispiel für diese ungeheure Beschleunigung des Webs bot gestern der Anmelde Prozess für die Abakus Pub-Konferenz. Die dort angebotenen 100 freien Plätze waren in sage und schreibe 35 Minuten vergriffen. Das ist noch mal deutlich schneller als im letzten Jahr, als nach rund 2 Stunden alles zu Ende war.

Die Frage die sich mir stellt. Finde ich das eigentlich so toll? Eher nicht. Wenn die Entwicklung so weiter ginge, dann dürfte man in zwei Jahren kaum mal den Blick vom Twitterfeed abwenden, geschweige denn kurz mal aufs Klo, ohne Angst haben zu müssen irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben. Es könnte irgend so ein Böser Seo eine handvoll Beta-Accounts unters Volk schmeissen oder ein Guter Seo eine Palette von Büchern unter seinen Followern aufteilen und bevor man von der Sache auch nur einen Buchstaben gesehen hat, sind die Präsente schon verteilt. Echt fies.

Kauf mich!

Dezember 3, 2009 by Gerald Steffens  
Filed under Google, Lästerecke

Nachdem ich gerade über die Top-Suchbegriffe 2009 geschrieben und mich über die Prüderie der Suchmaschinen ereifert habe, hier noch ein Nachschlag zum Thema Prüderie und Google. Ich frage mich schon lange, warum Google nicht endlich seine prüde Suchhaltung aufgibt und sich auch ein Stückchen vom Sex-Kuchen abschneidet. Ich kann ja verstehen, dass Google als international tätiger Suchmaschinist bei pornografischen Inhalten vorsichtig wird, alleine schon um juristischen Ärger zu vermeiden. Aber warum ziert sich Google bei relativ harmlosen Begriffen wie Escort und Escortservive, auf seinen Suchseiten AdWords Anzeigen zu veröffentlichen?

Kauf mich Das wunderte vor einiger Zeit auch Julius und seine Kollegen. (Julius und seine Brüder sind nämlich nicht nur Eigentümer der Domain Seo.de, sie sind auch Betreiber einiger leicht esoterisch angehauchter Webseiten wie poppen.de oder gays.com.) Beim Versuch sein gerade frisch eröffnetes Kaufmich-Projekt über Google AdWords zu promoten, gabs leider eine Abfuhr. Folgende Mail segelte ihm vor einigen Wochen ins Postfach:

Hi Julius,

schlechte Nachrichten: ich habe per Telefon gerade die Ansage von Google bekommen, dass Escortservices u.ä. bei Google überhaupt nicht erwünscht sind.

Ich habe bisher bei Adwords auch noch kein vergleichbares Angebot gefunden.

Es sieht also momentan schlecht aus für KaufMich.de

Grüße
P.

Tja, so kann’s gehen. Die Jungs hatten extra für Google mit Kaufmich.de eine begrifflich abgeschwächtere Version ins Netz gestellt, doch auch das hat nicht geholfen. Google mag keine Escort Services und sagt das auch ganz deutlich: “Don’t promote escort services.” Auf Deutsch gibt es diesen Hinweis auch noch mal, dort heißt es klar und deutlich: Werben Sie nicht für Begleitservices (evtl. muss die Sprache passend eingestellt werden). Eine Überprüfung der Google Serps für Escort zeigt puristisch einwandfreie Ergebnisse, nicht einmal für Ford Escort wird dort geworben. Konsequent sind sie bei Google, das muss man ihnen lassen.

Doch halt. Was ist denn das? War da nicht gerade etwas von wegen Begleitservices? Ist das wirklich sauber? Ich dachte, man dürfe nicht dafür werben. Ich zähle aber gerade 8 AdWords-Anzeigen zum Thema Begleitservice. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, die beworbenen Seiten böten gar keinen Begleitservice an? Ist das dann sauber? Ist das nicht irreführende Werbung? Es wird für etwas geworben, was nachher nicht auf den Seiten angeboten wird. Entspricht das Googles ethischen Grundregeln? Wie man es auch dreht und wendet, Google scheint hier etwas schizoid aufgelegt zu sein.

Mich stört das ehrlich gesagt gar nicht. Ich finde es wäre vielmehr sinnvoll, wenn Google auch Begriffe wie Escortservice mit AdWords bedienen würde. Generell würde es bei vielen “erotischen” Begriffen Sinn machen Firmen mit Geld vorne in die Serps reinzulassen, denn die Chancen in den AdWords-Resultaten Webseiten mit einer höheren Qualität auszuliefern als in den organischen Suchresultaten, stehen gut. Mein Postulat: Google würde die Qualität seiner Suchergebnisse bei erotischen und pornografischen Begrifflichkeiten verbessern, wenn die Suchmaschine mit den AdWords-Anzeigen eine Art Schutzwall vor die ansonsten ungezügelten Suchresultate schalten würde ;-)

Update 14.12.09: So ein Mist. Das hier eingebundene “Kauf mich” Musikvideo von den Toten Hosen wurde von YouTube aus Copyright-Gründen abgeknipst. Schade, das Lied war die optimale Untermalung für den Artikel hier.

Fundstück der Woche

November 20, 2009 by Gerald Steffens  
Filed under Google, Lästerecke, News

Mario hat ein interessantes Google News Fundstück ausgegraben, das sehr schön zeigt wie hoch die Qualitätsansprüche beim Suchmaschinen-Giganten aus Mountain View derzeit liegen.

Der Gewinn von 6,3 Millionen ging an einen Frau. Trotz dem Herrlichen Glückwunsch an die Gewinnerin.

Schöner hätte ich das auch nicht ausdrücken können. Derart eloquente Sequenzen verbaler Interferenzen suchen Ihresgleichen. Überhaupt ist das ganze Elaborat ein Quell kreativer Satzgestaltung. Und als wenn das nicht genug wäre, auch inhaltlich verblüfft das Werk. Von einem Artikel über die Ziehung der Lottozahlen hätte ich eigentlich erwartet, dass dort auch die Zahlen gelistet würden. Doch vielleicht liege ich ja falsch und erwarte einfach zu viel von einem Artikel, der es bis in die Google News geschafft hat.