Interview mit einem Suchmaschinen-Spammer

September 9, 2008 by  
Filed under Allgemein

Um etwas Abwechslung in den lauen Blog-Alltag zu bringen, habe ich einen Bekannten angesprochen und um ein Interview gebeten. Meist sind Interviews ja nicht wirklich spannend und fördern selten neues zutage. Ich hoffe, das ist hier anders. Den Namen des Interview-Partners darf ich aus verständlichen Gründen nicht nennen, ich bin schon froh, dass er überhaupt mitmacht. Für den Lauf des Interviews nenne ich ihn der Einfachheit halber Bad Max, von Beruf ehemals Suchmaschinen-Spammer.

SEO.de: Hallo Max, ich freue mich, dass du dich zu einem kurzen Interview bereit erklärt hast. Kannst du den Lesern zu Beginn mal erklären, wie du überhaupt zu diesem Business gekommen bist?

Bad Max: Hallo Gerald, das fing an, als mir ein Bekannter mal gezeigt hat, wie einfach es möglich ist (war), mit halbwegs starken Domains und „ausgeliehenen“ Textstücken über Adsense Geld zu verdienen. Da gibt es ja einige „promnynennte“ Beispiele Da habe ich dann angefangen, mich speziell mit Google und Adsense zu beschäftigen.

Seo.de: Kanntest du dich zu diesem Zeitpunkt schon mit Suchmaschinenoptimierung aus?

Bad Max: Nein, zu dem Zeitpunkt war das alles neu für mich. Ich bin also quasi über die Black-Hat Schiene in das Business SEO gekommen.

Seo.de: Wie lange hat es gedauert, bis sich die ersten Erfolge einstellten?

Bad Max: Das war ja das Interessante damals, das ging meist innerhalb von 2-3 Tagen, nachdem man den „Content“ online gestellt hat.

Seo.de: Erstaunlich, besonders wenn man bedenkt wie lange neue Projekte ansonsten im Web brauchen. Was die Leser jetzt sicherlich am meisten interessiert, was kann man mit dieser Art Suchmaschinen-Spam verdienen?

Bad Max: Es muss hier eher heißen, „Was konnte man verdienen ?“, denn so einfach wie damals ist es nun nicht mehr und ich würde es eher MfA nennen, da einige beim Parasite Hosting auch recht guten Content verwendet haben. Ich spreche hier auch über die Jahre 2006 und 2007, da ging es mit dem primitiven Massenspam schon langsam zu Ende. Aber um auf Deine Frage zurückzukommen, es war kein Problem im niedrigen 4-stelligen Dollarbereich am Tag zu liegen.

Seo.de: Und wieviel Seiten Inhalt musstest du dafür ins Web kippen? Sprechen wir hier von Tausend, Zehntausend oder Hundertausenden und mehr Seiten im Google Index?

Bad Max: Das lief eine Zeitlang so gut, daß es nicht nötig war, zehntausende Seiten ins Web zu kippen. Mit 2.000-3.000 Seiten konnte man da schon seine 1.000 $ am Tag machen. Es gab aber sicher „Kollegen“, die da in etwas größeren Dimensionen gearbeitet haben und dementsprechend auch mehr verdient haben.

Seo.de: Du erwähntest gerade den Begriff MFA (Made for AdSense), der geisterte eine Zeit lang durch die Szene. Hast du deine Projekte ausschließlich über AdSense monetarisiert?

Bad Max: Anfangs habe ich auch Alternativen getestet, es hat sich aber zumindest bei mir sehr schnell herausgestellt, daß AdSense den bei Weitem höchsten Ertrag gebracht hat.

Seo.de: Gehe ich recht in der Annahme, dass du mehr als einen AdSense Account für deine Aktivitäten verwendet hast?

Bad Max: Ja.

Seo.de: Hattest du irgendwann mal Ärger mit Google? Wurde dir z.B. einer deiner spammigen AdSense Accounts gesperrt?

Bad Max: Das war anfangs auch eine Sorge von mir, die sich allerdings als unbegründet herausgestellt hat. Ich habe mit der Zeit auch nach einigen Tests den Eindruck gewonnen, dass die AdSense-Abteilung da sehr belastbar war.

Es wurden zwar oft Domains aus dem Index gekickt, aber das wohl von der Seite der Qualitätsprüfung. Bei AdSense selbst habe ich das nie geschafft, einen Account zu verlieren, zumindest nicht durch MFA Seiten. Einige Zeit danach habe ich mal erfahren, wie einfach man jemand den AdSense Account weghauen kann und Google das maximal als Kollateralschaden betrachtet. Das war sogar ein Account, der nie etwas mit MfA zu tun hatte.

Seo.de: Na, das klingt ja jetzt echt evil. Vielleicht sollte ich auf das Thema später einmal explizit eingehen. Doch zurück zum Vorgehen. Kannst du kurz mal das Prinzip erklären, nach dem du vorgegangen bist? Ich glaube, der Begriff „Parasite-Hosting“ spielte bei deinen Aktionen eine große Rolle.

Bad Max: „Parasite-Hosting“ bedeutet, dass man seinen Content auf fremden Domains, die gut ranken und Webspace zur Verfügung stellen, veröffentlicht. Da gab es damals einige Anbieter, die teilweise kostenlos Webspace zur Verfügung gestellt haben bzw. andere bei denen Webspace günstig zu erhalten war.

Ich denke viele können sich noch an Beepworld oder Funpic erinnern, die damals eine Zeitlang massig im Google Index zu finden waren. Der Trick war eigentlich nur, immer den nächsten Anbieter zu finden, der gut gerankt hat, wenn Google wieder mal einen mit einer Penalty belegt hat, weil das Ganze überhand genommen hat.

Seo.de: Ja, die Anbieternamen sagen mir was. Die haben sicher schwer gelitten unter dem Spam. Zum Glück ist das Geschichte. Es ist deutlich schwerer geworden, Google auf diese Weise zu manipulieren. Viele Suchmaschinen-Spammer haben mittlerweile die Seite gewechselt und stecken das unsauber verdiente Geld jetzt in saubere Projekte. Sozusagen eine moderne Form der Geldwäsche. Wie sieht das bei dir aus?

Bad Max: Google hat zumindest diese große Lücke im Algo letztes Jahr quasi über Nacht geschlossen. Mich hat damals aber auch gewundert, dass es überhaupt solange funktioniert hat. Da es in dieser Größenordnung nicht mehr so einfach ist, haben tatsächlich einige die Seiten gewechselt und ihre Black Hat Einnahmen in White Hat Projekte investiert. Da gehören sogar bekannte alte Domains dazu, die in diesem Rahmen erworben wurden.

Aus Black wird White, da gewinnt der Begriff Geldwäsche tatsächlich eine völlig neue Bedeutung. Ich selbst habe schon von Anfang an parallel mit sauberen Projekten gearbeitet, in die ich natürlich auch einen guten Teil der so erwirtschafteten Einnahmen investiert habe.

Seo.de: Danke für dieses Interview Max. Vielleicht legen wir mal in 2 Jahren eine Fortsetzung auf. Aber dann mit dem Thema „Erfolg im Internet – auf die saubere Tour“ 😉

Über 

Der Autor wohnt im kleinen Städtchen Harsewinkel, irgendwo im Münsterland und interessiert sich für Suchmaschinen und ihre Optimierung. Gerald auf Google+

Comments

48 Responses to “Interview mit einem Suchmaschinen-Spammer”
  1. Böser Seo sagt:

    Schönes Interview. Hat große Ähnlichkeit mit meinen Tätigkeiten. Da kann man sich schon fast die Hand geben 😀

  2. ich glaube ich komme mal bei dir vorbei fürs nächste interview 😉

  3. mj sagt:

    Wirklich gutes Interview auch wenn es etwas zu kurz war.

  4. Randolf sagt:

    SEHR nettes Interview – mehr davon 🙂 Habt ihr das interview per Chat oder über ein Befreiphone geführt? Argh. Irgendwie muss ich doch hier auf die Schnelle auch noch meinen Commentspam für http://www.befreiphone.de/ los werden 😉

  5. @randolf, lief per skype und den link hätteste auch aus nem extra blogbeitrag bekommen können 😉

  6. vanCity sagt:

    In Deutschland gab es 2005/2006 ja gerade mal eine Handvoll nennenswerter Spammer, die den Traffic mit Pseudos und Parasites unter sich aufgeteilt haben. Umsätze von jenseits der 10.000 Euro/Tag waren bei denen keine Seltenheit. Wer mehr Reichweite generieren wollte, der hat sich dann einfach internationalem Traffic bedient. Schöne Zeit, die leider vorbei ist, aber einige Zeitgenossen schon früh in Rente geschickt hat… 🙂

  7. felix sagt:

    „promnynennte“ ICH HAB LAUT GELACHT!!!

  8. Floppy sagt:

    Das war ja mal ein richtig gutes Interview. Aber kann man wirklich so viele Leute auf den kopierten Content bringen, die dann auch noch auf die Werbung klicken?

  9. Malte sagt:

    Immer diese guten alten Zeit, warum muss es heute bloß immer so umständlich sein 🙂

  10. Das Interview scheint ja ganz gut angekommen zu sein. Doch einem ist es zu kurz, dem anderen stellen sich noch Fragen. Wenn ihr also noch Fragen habt, dann fragt – vielleicht reicht es ja noch für eine Fortsetzung des Intervies.

  11. kein_seo sagt:

    „promnynennte“ ?
    Was ist denn heute noch gängig, wenn jemand vielleicht mal ein wenig weiter aus dem Nähkästchen ausholen möchte…?
    😉

    comment-spam als antwort gilt nicht 🙂

  12. Jensus sagt:

    SEO-Unwort des Jahres: „Befreiphone“.

    Keine Ahnung warum jetzt jeder auf diese komische aktion aufspringen muss. Es ist jetzt bald sicherlich genau so schwer mit Befreiphone zu ranken also mit PKV. Nur das man sich mit einem guten Ranking bei „PKV“ mindestens 20 von diesen Iphone Dingern selber kaufen kann.

    ich kann da jetzt gerade echt nur den kopf schütteln.

  13. Justin sagt:

    Ein cooles und interessantes Interview auch wenn es nicht mein Bereich von SEO ist.

  14. Paul sagt:

    Danke, wieder einmal was gelernt durch dieses nette Interview. Mich würde jedoch nun eher interessieren, in wie weit diese alten techniken nicht mehr einsetzbar sind. Voll oder nur halb?!

  15. Millus sagt:

    Interessant. Mit etwas Köpfchen und paar guten Ideen kann man echt paar Euros im Net verdienen.
    Aber die Anzahl der Seiten, die er ins Netz kippen musste, ist schon krass – wer hat die Nerven und Zeit dafür? Auch wenn es Tricks gibt, um es schnell zu machen…

  16. Ein wirklich sehr interessantes Interview. Ich konnte es nicht lassen und musste auch gleich darüber berichten 😀
    Und JA dein Interview hier ist anders… einfach angenehm zu lesen…! Meeeehr davon

    lg dein neuer Blog- Kollege
    Martin Tauber

  17. Michael sagt:

    Sehr interessantes Interview! Danke

  18. ritchie sagt:

    Hehe… die Einleitung versprach nicht zu viel. Sehr interessant, gerne mehr davon 🙂

  19. @floppy
    die leute klicken doch wegen des dürftigen contents auf die werbung, weil die im idealfall besseren inhalt bieten als die seite selber.

  20. Jomei sagt:

    Lustig, das Interview.

    Geldwäsche mal ganz anders, klasse!

  21. Andreas sagt:

    Alle ehrlichen Webmaster haben das nachsehen. Dieser Spammer tut der Menschheit wirklich keinen sehr großen Gefallen mit seinem Müll.

  22. Martina sagt:

    Ein sehr interessantes Interview,ich hätte gerne mehr gelesen

  23. Heiko sagt:

    Recht interessant, schade das die Zeit vorbei ist.

  24. KriZ sagt:

    Hallo,

    das Interview ist recht gut… ich selbst kenne mich mit dem Buisniss NULL aus… ich versuche seid einigen Monaten meine Seite zu Pushen das mehr Besucher kommen… bzw. meine zwie seiten… bisher ohne erfolg… über Google finde ich auch sehr wenig… vllt. such ich ja nur falsch.. ich hoffe ich komm irgendwann mal auf die richtige Seite wo mir erklärt wird wie ich bei google einen guten Rank bekomme und weit oben stehe !

    LG KriZ

  25. Harald Weber sagt:

    Ist schon spannend aus „erster“ oder „zweiter“ Hand zu hören, was da alles so im Netz abgeht.

  26. Billigflieger sagt:

    Die beschriebene Spam-Medthode ist Schnee von gestern. Google hat sich natürlich relativ darauf eingestellt. Im übrigen haben diejenigen Webmaster am meisten Erfolg, welche auf gute Inhalte setzen. Welchen nutzen haben Spammer?

  27. VcPoker sagt:

    Nah, so ein alter Hut ist das nun auch wieder nicht, in den gänigen US Blackhat foren gibt es noch genung Leute die mit Autoblogs gutes Geld machen. Die Seo ist nur aufwendiger geworden.

  28. Andreas sagt:

    Es soll ja Leute geben die mit Blogs soviel Geld verdienen die davon locker leben können. Ein guter Blog produziert soviel Traffic das man sogar von einem einzigen Blog seinen Lebensunterhalt (1000-2000 EUR) verdienen kann.

  29. Vintage Shop sagt:

    Die Zeiten sind leider noch nicht vorbei. Ich stoße immer wieder auf Seiten, die mit „Russenlinks“ vorn stehen…auch im Bereich „Mode“…Allerdings beobachte ich auch, dass es mitlerweile viele Seiten in diesem Bereich „runter gespühlt“ hat. Es war einfach eine Lücke und die, die es genutzt haben, „herzlichen Glückwunsch“…

  30. Andireas sagt:

    Schon erstaunlich wieviel Geld (1000 US Dollar/Tag) man mit ein paar Spam-Webseiten verdienen kann. Allerdings dürfte es heute bei Google fast unmöglich sein den Index auf diese Art und Weise vollzuspammen.

  31. Andireas sagt:

    Es ist schon erstaunlich wieviel Geld (1000 US-Dollar/Tag) man mit diesen Methoden verdienen kann. Allerdings dürfte es heute nahezu unmöglich sein den Google-Index derart vollzuspammen.

  32. get freaky sagt:

    Wow, hätte nicht gedacht, dass diese Spammer Seiten tatsächlich so viel Geld einbringen können. Ist bei solchen Summen ja auch echt verlockend da auch mal reinzuschnüffeln. Aber ist eigtl. gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber ich bin mir sicher, dass es mittlerweile schon irgendwelche andere Schlupflöcher bei google gibt.

  33. Billi sagt:

    Ja, so eine Story aus den guten alten Zeite, da kann man so richtig ins Träumen kommen. Was machen denn diejenigen, die die Seiten nicht gewechselt haben, so aktuell. ist da keine, der mit verstellter Stimme mal ein Interview gibt?

  34. taschengeld sagt:

    Also ehrlich, ganz schon heftig wenn man hört was alles möglich ist mit diesen krassen blackhat methoden. Würde allerdings auch echt gerne ein interview mit einem hören, der damals schon blackhat betrieben hat und sich heute auf andere Methoden erlagert hat. Wäre doch sicherlich recht interessant zu erfahren, welche Trick die Jungs heute so auf dem Kasten haben, um der guten Tante goole zu entkommen bzw. Ihr die Kekse aus dem Korb zu fischen 🙂

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