Don’t make me think! (Rezension)


Steve Krugs „Don’t make me think! Web Usability – Das intuitive Web“ ist ein fast unscheinbar aussehendes Buch mit nur knapp 200 Seiten. Im Vergleich zu vielen anderen Büchern zu verwandten Themen ist es also ein echtes Leichtgewicht. Trotzdem sollte es für jeden Webdesigner und Programmierer Pflichtlektüre sein, bevor er überhaupt eine Seite in Angriff nehmen darf.

Der englische Titel des Buches macht es noch klarer, um was es geht: „Don’t make me think! A Common Sense Approach to Web Usability“ – „common sense“ ist der englische Ausdruck für „gesunden Menschenverstand“. Man soll also mit gesundem Menschenverstand an die Gestaltung von Internetseiten heran gehen.

Aber … „Zwing mich nicht nachzudenken!“ – ist das nicht was Negatives? Warum sollte sich der User unserer Seite nicht Gedanken darüber machen, wie etwas funktioniert? Warum sollten wir ihm oder ihr nicht einfach alles so leicht wie möglich machen? Ganz einfach: Wenn wir es nicht tun, dann macht
es ein anderer, sprich: dann kommt ihm eine andere Website mehr entgegen und wir haben einen User/Kunden verloren.

Seine Forderung nach intuitiv zu bedienenden Seiten untermauert Krug mit vielen Negativ-Beispielen, die zeigen wie man es eben nicht machen sollte. Das eigentlich erschütternde: Die meisten der Seiten sehen ganz normal aus, und die meisten von uns würden sie problemlos handhaben können.

Nur – um uns Internetprofis geht es bei Usability-Tests nicht vorrangig. Usability Testing ist nur dann aussagekräftig, wenn man dazu Unbeteiligte heranzieht, die sich auf der Seite zurechtfinden müssen. Schnell wird dann klar, dass die Seite vielleicht toll aussieht, aber niemand das Kontaktformular findet, oder weiß wie er mit einem Pull-Down-Menü umgehen muss usw. usw.

Solche „Kleinigkeiten“ fallen oft nicht auf, weil man einfach betriebsblind ist und nach mehreren Wochen und Monaten an der Seite ja auch weiß, wo alles ist und wie alles funktioniert. Daher sind Usability-Tests unverzichtbar.

Vor solchen Tests schrecken viele Unternehmen wegen des damit verbundenen Aufwands und der hohen Kosten zurück. Krug zeigt, dass es auch anders geht: Mit nur wenigen Freiwilligen und ohne große Kosten kann man leicht herausfinden, wo die Schwachstellen der eigenen Seite liegen. Die Anleitung für einen simplen Usability-Test liefert er gleich mit.

Der lockere Schreibstil täuscht schnell darüber hinweg, was für ein phänomenales Verständnis für Otto Normalwebuser Krug hat. Zum Glück teilt er seine wichtigsten Erkenntnisse mit uns Lesern. Darunter auch ein gutes Usability-Prinzip: Wenn etwas einen hohen Zeitaufwand erfordert, oder auch
nur danach aussieht, wird es wahrscheinlich weniger genutzt.

An diese Regel hat er sich mit seinem eigenen Buch erfolgreich gehalten. Er schreibt selbst: „Ja, dieses Buch ist dünn. Ich habe hart daran gearbeitet, dieses Buch kurz zu halten – hoffentlich so kurz, dass Sie es auf einem langen Flug lesen können.“ Ich würde sogar sagen: eine durchschnittliche
Bahnfahrt reicht auch.

In dieser kurzen Zeit erfährt man aber tatsächlich, wie Webuser mit Websites umgehen, was eine gute Navigation ausmacht, wie wichtig Usability-Tests sind und dass diese Test nicht unbedingt horrend teuer sein müssen.

Das Buch ist nicht nur kurz, es ist auch den Lesegewohnheiten der Generation Internet gut angepasst: der Text ist klar strukturiert, und obwohl vielleicht nicht alle der vielen Bilder und Illustrationen strikt notwendig sind, stören sie nie die Informationsaufnahme. Auch das ein gutes
Usability-Prinzip!

Natürlich kennt Steve Krug auch den ewigen Kampf zwischen tollem Design und einfacher Bedienbarkeit – meist gibt es einfach nicht DIE Lösung. Es lohnt sich aber immer abzuwägen, ob nun atemberaubend innovatives und auszeichnungswürdiges Design den Vorrang haben sollte oder einfache
Bedienbarkeit für die User. Wer beides auf einmal hinbekommt: Herzlichen Glückwunsch.

Krug verlangt nichts Unmögliches. Aber ein bisschen besser geht es immer, und er zeigt uns, wie man das macht, und wie man die schlimmsten Fallen von vornherein vermeidet. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf Design und Programmierung, auch Online-Redakteure kriegen durchaus ihr Fett weg.

Die erste Auflage von „Don’t make me think!“ ist 2000 erschienen, die zweite Auflage ist seit 2005 auf dem Markt. Zeit für eine dritte Auflage, sollte man meinen. Aber ganz ehrlich: Die zweite Auflage von 2005 ist so aktuell, dass es fast traurig ist.

An den abgebildeten Websites zumindest lässt sich sehen, dass sich zwar in den letzten Jahren die Design-Vorlieben geändert haben, die grundsätzlichen Fehler aber die gleichen geblieben sind. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das so schnell ändern wird.

Mein Urteil: Das Buch ist von einem echten Fachmann verfasst und extrem gut gegliedert. Es ist leicht verständlich geschrieben und optisch ansprechend gestaltet. Und der Preis von 25 Euro ist im Vergleich zum Nutzen des Buches wirklich sehr günstig, zumal es einem den Kauf – und das Lesen! – mehrerer anderer Bücher ersparen kann.

Die Rezensentin Alexandra Preis hat vor ihrer journalistischen Tätigkeit Anglistik und Italianistik studiert. Aktuell arbeitet sie als Online-Redakteurin für alle Projekte der trendmile GmbH und schreibt dort auch Beiträge für das SEO-Blog.

Über 

Der Autor wohnt im kleinen Städtchen Harsewinkel, irgendwo im Münsterland und interessiert sich für Suchmaschinen und ihre Optimierung. Gerald auf Google+

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